Wie ein Lauffeuer verbreitet sich derzeit das Phänomen der ICOs, die für Start-ups als das Wundermittel zur Finanzierung und für Anleger als einfacher Weg zu schnellem Reichtum gepriesen werden. Blockchain, Cryptocurrency, ICO und Token Sale – für viele sind das vor allem kryptische IT-Vokabeln …

ICOs – Initial Coin Offerings – machen Schlagzeilen durch fantastische Summen eingesammelten Geldes. Den aktuellen Rekord stellt das US-Start-up Filecoin, das 257 Mio. US-Dollar durch den Verkauf von Token aufgenommen hat. Wurden anfänglich vor allem Geschäftsideen rund um die Blockchain-Technologie über ICOs angeboten, breitet sich die neue Finanzierungsform mittlerweile in andere Bereiche aus. Prof. Dr. Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance sieht in ICOs bereits den Weg für künftige Start-up-Finanzierungen. Über keinen anderen ließe sich in vergleichbarer Geschwindigkeit und Höhe Wagniskapital einsammeln, so der Blockchain-Experte am vergangenen Dienstag Abend beim Frankfurter Fintech-Event „between the towers“ .

Was ist ein ICO?

Bei einem ICO werden sogenannte Token ausgegeben, die Investoren zu Beginn oder vor dem Projektstart erwerben können – meist in der Hoffnung, dass diese in der Zukunft einen höheren Wert besitzen. Dieser Token stellt ein Anrecht auf etwas da, zum Beispiel auf den Erwerb eines (noch zu erstellenden) Produkts, eine Dienstleistung oder den Anteil am Gewinn eines Projekts. Die Parallelen zu Reward Crowdfunding bzw. Crowdinvesting sind offensichtlich. Wesentliche Unterschiede sind

  • der Verkauf erfolgt üblicherweise gegen Bitcoin (btc) oder Ether (eth) und nicht in staatlicher Währung wie Euro oder US-Dollar
  • diese Form der Finanzierung ist vielerorts entweder nicht von der bestehenden Regulierung erfasst wird oder aber kollidiert frontal mit dieser– insbesondere, beim öffentlichen Angebot von Token, die dem Erwerber eine regelmäßige Dividendenausschüttung, ein Optionsrecht auf den Bezug weiterer Token oder die über Token vermittelte Teilnahme am Unternehmensergebnis in Aussicht stellen.

Viele ICO-Anhänger sehen gerade im unregulierten Freiraum den besonderen Charme. Das herkömmliche Crowdfunding sei längst überreguliert, so eine häufig kolportierte Meinung.

Aber Regulierung sucht ihren Sinn nicht in der reinen Schikane von Anlegern und kapitalsuchenden Unternehmen durch Behörden. Sie soll für einen allgemein verbindlichen Rahmen im Geschäftsleben sorgen. Und so warnte auch Prof. Sandner davor, dass ICOs extreme Anziehungskraft auf obskure Personen entfalte, deren Fokus sich allein auf das schnelle Einsammeln von viel Geld richte. Ist es zielführend, sich als Start-up mit dieser Gruppe in eine Reihe zu stellen?

Keine Frage, durch ICOs lassen sich derzeit erhebliche Aufmerksamkeitseffekte erzielen, was für ein Start-up ja durchaus positiv ist. Aber der Schuss kann auch nach hinten losegehen. Und da häufig zwei Hypes im Verbund auftreten – ICO und Cryptocurrency – kommen zusätzliche Risiken ins Spiel: 1. Wer uns was stellt sicher, ob für eine heute in „harter“ Währung gegen Bitcoin u. a. getätigte Anlagen die erwirtschafteten Gewinne künftig auch gegen Bitcoin ausgezahlt werden können? Und was erhält der Token-Inhaber, wenn das nicht mehr funktionieren sollte? Und 2. Welchen Wert hat eine Währung in drei, vier oder fünf Jahren, die heute 20 % und mehr am Tag schwanken kann?

Was ist in Deutschland möglich, was nicht?

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) befasst sich mit dem Thema ICO und hat schon mehrere Verbraucherwarnungen herausgegeben. Ein grundsätzliches Verbot von ICOs gibt es nicht. Die BaFin prüft im Einzelfall, was zulässig ist und was nicht, bzw. für welche Art von ICOs besondere Auflagen wie Erlaubnis- und Prospektpflicht greifen. Weniger problematisch sind die sogenannten „Utility ICOs“, also solche, die nicht unmittelbar auf eine Profiterwartung durch Beteiligungen an Gewinnen oder Wertsteigerungen eines Unternehmens zielen, sondern das Recht auf den Bezug einer Leistung in Aussicht stellen. Aber auch hier gilt: es kann auf Details in der Vertragsformulierung ankommen. Wer sich auf das ICO-Feld bewegen möchte ist gut beraten, sich einen versierten rechtlichen Beistand zur Seite zu holen. Das gilt übrigens auch dann, wenn das ICO über eine im Ausland registrierte Plattform initiiert wird.

Alles schlecht? Mitnichten!

ICOs sind hipp und Hype, aktuell momentan wohl eher etwas für Glücksritter. Natürlich gibt es hier, genausowenig wie bei jeder anderen Finanzierungs- und Anlageform, eine Garantie für das schnelle Geld. So traten neben den Leuchttürmen einiger Multi-Millionen-Dollar-Emissionen auch zahlreiche Nullkommanull-Dollar-Kampagnen in Erscheinung. Und die ersten Pleiten oder Betrugsfälle dürften auch nicht lange auf sich warten lassen.

Aber ICOs werden mit Sicherheit einen Einfluss auf die Start-up-Finanzierung im Allgemeinen entwickeln. Die Ausgabe eines Tokens ist vergleichbar mit der Ausgabe eines Wertpapiers und ein solches stellt ein verbrieftes Recht auf eine Zahlung dar. Diese Verbriefung ist heute ein komplexer Prozess. Schließlich muss sichergestellt sein, dass Wertpapiere sich einerseits leicht von einem Besitzer zum nächsten übertragen lassen, ohne dass sich die in Umlauf gebrachten Wertpapiere gleichzeitig wie durch Zauberhand vermehren können. Dezentrale Datenbanktechnologien, von denen Blockchain aktuell die bekannteste, aber nicht die einzige ist, könnten diese Prozesse radikal vereinfachen und neue Möglichkeiten eröffnen, bspw. im Crowdfunding. Ein verlässlicher rechtlicher Rahmen ist dafür sicher nicht verkehrt.

Ein wenig zu warten, bis sich die Hysterie um die millionenschweren Fundings und der Nebel des rechtlich Ungewissen gelegt haben, ist jedoch für ehrbare Kaufleute sicher nicht der schlechteste Weg.

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