Die Field Information Solutions GmbH ist ein Social Startup aus dem Social Impact Lab in Frankfurt, das sich der Unterstützung von Entwicklungsorganisationen mit „Field Operations“ verschrieben hat. Wir haben den Co-Founder Alexis Rawlinson zum Gründerinterview gebeten.

RMS: Bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Alexis Rawlinson, ich bin Co-Founder der Field Information Solutions GmbH. Mit unserem Produkt „Field Buzz“ möchten wir die Projektarbeit in Entwicklungsländern mit weit verstreuten Mitarbeitern revolutionieren: Smartphones und Internet in Kombination mit einer eigens entwickelten Software helfen Entwicklungsorganisationen und Unternehmen ihre Projekte trotz erschwerter Rahmenbedingungen effizient und tagesaktuell zu managen.

RMS: Wie kam es zur Gründung von Eurem Startup?

Ich habe viele Jahre in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Social Business gearbeitet, unter anderem in Mosambik und Bangladesch. Dort habe ich gesehen, dass die großen Entwicklungsorganisationen häufig mit einer Vielzahl an Mitarbeitern in entlegenen Regionen (Field Worker) arbeiten, die ihre Arbeit ganz klassisch auf Papier dokumentieren – was intransparent, fehler- und korruptionsanfällig ist. Zudem dauert es viel zu lang bis die relevanten Informationen bei den Managern in den Büros vor Ort oder dem Hauptsitz der Organisation ankommen. Somit wissen die Projektmanager nie genau wer ihrer Mitarbeiter gerade wo ist und welche Tätigkeiten er oder sie wie ausführt. Auf dieser ungenügenden Datengrundlage ist es schwierig fundierte und gute Entscheidungen zu treffen, die mittel- bis langfristig den Erfolg des Projekts sicherstellen.

Field Buzz löst dieses Problem folgendermaßen: Einerseits nutzen die Mitarbeiter im Feld für ihre tägliche Arbeit Android-Smartphones, auf denen die für das jeweilige Projekt gebaute Field Buzz-App installiert wird. Dort können sie sämtlich Arbeitsschritte, die für das Vorankommen des Projekts relevant sind, dokumentieren. Andererseits werden diese Daten an eine webbasierte Reporting- und Managementschnittstelle übertragen, in die sich z.B. die Projektmanager über einen normalen Browser von ihrem Büro aus einloggen können. Dort können sie die gesammelten Daten einsehen und bearbeiten – und bei Bedarf auch direkt Rückmeldung dazu geben, bspw. wenn Daten unvollständig sind.

Während meiner Zeit in Bangladesch habe ich übrigens auch meinen Partner Bahar kennen gelernt – er leitet unser Software-Team in Dhaka.

RMS: Wie habt Ihr die Finanzierung des Startups gestemmt?

Bislang konnten wir das Unternehmen mit Stammkapital der beiden Gründer und einem Gesellschafterdarlehen ohne externe Finanzierung aufbauen.

RMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Ihr bisher bei der Gründung und dem Aufbau des Startups überwinden musstet?

Der Weg vom Erstkontakt mit einem Kunden bis hin zu Vertragsunterzeichnung und offiziellem Projektbeginn ist in der Regel sehr lang. Wir arbeiten größtenteils mit großen und häufig sehr bürokratischen Organisationen zusammen – wo solch ein Akquiseprozess häufig zwischen sechs Monaten und anderthalb Jahren dauert. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir viel Zeit und Ressourcen in diese Projektanbahnung investieren, bevor wir tatsächlich Geld verdienen – für unseren Cash-Flow ist das natürlich nicht optimal.

RMS: Mit wie vielen Leuten arbeitet Ihr mittlerweile an Field Buzz? 

Field Buzz zählt mittlerweile 22 Mitarbeiter. Ein Großteil davon arbeitet in Dhaka (Bangladesch), wo unser Softwareentwickler-Team angesiedelt ist. Neben dem Bau individualisierter Softwarelösungen begleiten wir unsere Projekte mit ausführlichen Beratungsleistungen, von der Bedarfsanalyse und der Ausarbeitung relevanter Spezifikationen, über das Testing und die Pilotphase, bis hin zum Schaffen von Incentive-Strukturen und Change Management-Ansätzen – denn nicht jeder Mitarbeiter ist anfangs begeistert angesichts der erhöhten Transparenz seiner Arbeit. Aktuell arbeiten wir mit zwei Beratern von Frankfurt aus, während drei Consultants das Software-Team in Dhaka ergänzen und jeweils ein Consultant in Bogotá (Kolumbien), Rangun (Myanmar) und Bamako (Mali) für konkrete Projekte vor Ort bzw. in der Region arbeitet.

RMS: Was macht Ihr, um Euren Bekanntheitsgrad weiter auszubauen?

Dieser Aspekt ist seit der Gründung in 2015 zugegebenermaßen etwas auf der Strecke geblieben. Die Entwicklung unserer Software und App-Lösungen sowie die Projektakquise über bestehende Kontakte und Empfehlungen haben unsere Kapazitäten komplett ausgefüllt. Derzeit bauen wir jedoch unser Team weiter aus, damit insbesondere ich künftig mehr Zeit für den Besuch von Veranstaltungen, Konferenzen, Networking-Events, aber auch für solche Interviews habe.

RMS: Wo möchtet Ihr in den nächsten 3-5 Jahren mit Eurem Startup stehen?

Derzeit passen unsere Entwickler die Software für jeden Kunden individuell an. Dieser Ansatz hat sich bewährt, ist aber auch relativ zeitaufwändig. In den nächsten Jahren möchten wir weiter wichtige Erfahrungen aus verschiedenen Projekten sammeln und uns mittelfristig an ein Software as a Service-Modell annähern. So soll unsere Reichweite und unser Kundenstamm erweitert werden, so dass auch kleinere Organisationen und NGOs ihre Arbeit mithilfe von Field Buzz optimieren und ihren Impact erhöhen können.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ist die Region eine gute Gegend für Startups?

Für uns ist neben dem internationalen Flughafen insbesondere der Standort Frankfurt als ein Hub der deutschen Entwicklungszusammenarbeit von Bedeutung: Viele (potenzielle) Kunden und Partner sind hier ansässig. Darüber hinaus haben wir im Co-working Space des Social Impact Labs ein schönes „Zuhause“ gefunden, wo wir uns mit anderen Sozialunternehmern austauschen können.

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest?

Wir haben uns von Anfang an am Lean Start-up-Ansatz orientiert, was sich für uns wirklich bewährt hat. Meiner Erfahrung nach sollten Gründer keine Zeit damit verschwenden Businesspläne zu schreiben oder von Anfang an auf Investorensuche zu gehen. Schließlich weißt du am Anfang überhaupt nicht, ob es einen Markt für dein Produkt gibt und Kunden oder Nutzer wirklich bereit sind Geld dafür zu bezahlen.

Daher mein Rat: Entwickle so schnell wie möglich einen ersten Prototyp (das sogenannte „minimum viable product“), versuche es möglichen Kunden zu verkaufen – und beobachte ihre Reaktionen. Wahrscheinlich will erstmal niemand Geld für dein Produkt ausgeben, weil du vermutlich das falsche Produkt für den falschen Markt anbietest. Hier zeigt sich häufig eine deutliche Diskrepanz zwischen dem aus Höflichkeit geborenen Lob für das Produkt während eines ersten Gesprächs und dem tatsächlichen Willen es zu kaufen. Das ist jedoch kein Beinbruch! Vielmehr solltest du nun dein Produkt basierend auf diesen Erkenntnissen (Warum wollte der Kunde das Produkt nicht kaufen? Hat der Kunde irgendeinen Hinweis darauf gegeben, was er/sie wirklich braucht?) anpassen, so dass es den Anforderungen des Marktes besser entspricht. Du wirst es sofort erkennen, wenn du eines Tages den richtigen „Product-Market Fit“ gefunden hast: Die Anziehungskraft des Produkts auf Kunden ist schnell ersichtlich – spätestens, wenn sie sagen „Ja, ich BRAUCHE das!“. Ab diesem Zeitpunkt kannst du dann anfangen langfristiger zu planen, das Produkt weiter zu verbessern, das Unternehmen aufzubauen und eventuell Ausschau nach Investoren zu halten. Vor diesem Zeitpunkt ist all das reine Zeitverschwendung.  Denn wenn du dich in die falsche Richtung bewegst, hilft es nicht, schneller zu gehen!

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