Viele Fachhändler leiden unter der Verlagerung von Käufen ins Internet. Manuel Hualde, Augenoptiker aus dem hessischen Freigericht, ist selbst aktiv geworden und hat zusätzlich zu seinem Fachgeschäft mit einem Partner MeinBrillenglas.de gegründet. Wir stellen Euch Manuel und sein Unternehmen im Interview vor.

RMS: Bitte stell Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Ich bin Manuel Hualde, 49 Jahre, Augenoptiker und betreibe bereits seit 1995 im hessischen Freigericht ein stationäres Optiker Fachgeschäft. Mit meinem ehemaligen Schulkollegen Valentin Popa habe ich 2014 das Start-Up MeinBrillenglas.de ins Leben gerufen. Valentin ist gelernter Schriftsetzer, leidenschaftlicher Fotograf und war nach seiner Ausbildung längere Zeit als Creative Director in einer Grafikagentur in Frankfurt am Main tätig. Seit 2010 ist er selbstständig. Er ist der kreative, online- und werbestrategische Kopf in unserem Team. Ich bin der Handwerker.

RMS: Wie kam es zur Gründung von Eurem Startup?

Mein stationäres Geschäft lief und läuft sehr gut, da kann ich mich nicht beklagen. Dennoch schaut man als Geschäftsführer natürlich immer wieder mit Sorge und Skepsis darauf, wie viele der unabhängigen kleinen und mittelständischen Fachgeschäfte schließen müssen, weil sie mit der Preispolitik der großen Ketten einfach nicht mithalten können. Mit Valentin habe ich oft darüber gesprochen, was im Internet für Optiker eventuell möglich wäre. Ein eigener, spezialisierter Online-Shop schien uns die besten Möglichkeiten für ein neues Geschäftsfeld zu bieten. Der Online-Markt für Korrektionsgläser und ist noch relativ klein, hat aber hohe Wachstumsraten. Mit MeinBrillenglas.de wollen wir gleich zwei Nischen besetzen. Erstens: den Fokus rein auf günstige Neuverglasungen vorhandener Gestelle setzen. Zweitens: hohe Qualität und besten Service bieten, durch Investitionen in unsere hauseigene Werkstatt und Nutzung von Qualitätsgläsern ausschließlich aus Deutschland und der Schweiz. Unser Motto ist deshalb – frei nach Lessing: „Der Langsame, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer schneller als der, der ohne Ziel herumirrt.“

RMS: Wie habt Ihr die Finanzierung des Startups gestemmt?

Zu 100 Prozent aus eigenen Mitteln, mit hohem Risiko-Bewusstsein und einer eher defensiven Wachstumsstrategie. Von unserem Online-Erfolg waren wir dann selbst ein wenig überrascht. Schon 2016 hat meine Werkstatt ein Drittel des Umsatzes über den Online-Handel erzielt, mit steigender Tendenz. Das Geld haben wir unter anderem in neue Mitarbeiter, eine neue High-Tech-Schleifstraße und die Optimierung für Mobile-Shopping investiert.

RMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Ihr bisher bei der Gründung und dem Aufbau des Startups überwinden musstet?

Natürlich gab es teilweise technische Herausforderungen, aber damit hatten wir gerechnet. Der Zuspruch durch Kunden war von Anfang an sehr positiv, da hatten wir eher die ein oder andere massive Kritik befürchtet. Richtig überraschend oder eher irritierend war für uns aber die Skepsis und teilweise auch die Ablehnung aus der eigenen Branche. Da fühlten wir uns manchmal wie „Nestbeschmutzer“, weil wir neben dem klassischen Ladengeschäft auch Optiker-Produkte online verkaufen. Die Nachteile beim Online-Kauf sind mir als Optiker natürlich bewusst. Die Nachfrage ist aber nun einmal da – und ich wollte nicht zuschauen, wie andere diesen Markt besetzen. Darum wollen wir auch online die bestmögliche Qualität anbieten. Und während mittlerweile jedes vierte Optiker-Fachgeschäft die Fertigung der Korrektionsgläser ausgelagert hat, setzen wir mit MeinBrillenglas.de weiter auf die Fertigung in der hauseigenen Werkstatt und schaffen damit auch weitere Arbeitsplätze.

RMS: Mit wie vielen Leuten arbeitet Ihr mittlerweile an Eurem Startup? 

Neben Valentin und mir haben wir für Werkstatt, Service und Versand aktuell zwölf Mitarbeiter, davon acht ausgebildete Augenoptiker.

RMS: Was macht Ihr, um Euren Bekanntheitsgrad auszubauen? 

Da uns nicht die Mittel von Investoren oder Konzernen zur Verfügung stehen, setzen wir bei unserer Kommunikation auf größtmögliche Effizienz und überschaubare Budgets. Ein Großteil des Budgets fließt in klassische SEO-Maßnahmen und Online-Werbung. Zusätzlich versuchen wir über eine Mischung von klassischen PR- und modernen Kommunikationsmaßnahmen, wie beispielsweise Influencer-Marketing, unsere Markenbekanntheit schrittweise zu erhöhen und dabei Menschen auf die Möglichkeiten und Vorteile der Brillen-Neuverglasung über unseren Online-Shop hinzuweisen. Eines unserer größten Potenziale sind aber unsere Kunden – mehr als die Hälfte der Kunden bestellen ein zweites oder drittes Mal und empfehlen uns weiter.

RMS: Wo möchtet Ihr in den nächsten 3-5 Jahren stehen?

Wir wären voll zufrieden, wenn unser Wachstum weiterhin jährlich im zweistelligen Prozentbereich bleibt und wir behutsam, aber stetig und nachhaltig wachsen können. In 3-5 Jahren würde ich mir dann wünschen, dass wir die finanziellen Möglichkeiten haben, um beispielsweise unsere Aktion „Brillen für Afrika“ mit mehr Werbedruck in den Markt zu bringen.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ist die Region eine gute Gegend für Startups?

Absolut, die strukturellen Voraussetzungen sind sehr gut und die Mischung der Menschen in der Region war für uns optimal.  In unserem Fall war es ja die Paarung von kreativem Agentur-Mensch und mittelständischem Handwerksunternehmer, die zum Erfolg geführt hat.

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest?

Für die Umsetzung von der Idee zum Produkt zählen nur zwei Dinge:

Ein wenig Mut und viel Tätigkeit.

 

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