Das Rhein-Main-Gebiet ist auch im Bereich der Luft- und Raumfahrt eine der führenden Regionen Europas. Mit  SpaceStarters.com, der Crowd Investing-Plattform für Innovationen aus der Luft- und Raumfahrt, bekommt nun die Space-Startup-Szene ein Gesicht in der Region und gleichzeitig auch eine Plattform, über die künftig Finanzierungen in dem entsprechenden Themenbereich möglich werden.

Beim Launch-Event von SpaceStarters in Madrid ergab sich die Gelegenheit die beiden Initiatoren der Plattform gemeinsam zu interviewen, um mehr über die Hintergründe und Motivation dieser einzigartigen Kooperation zu erfahren.

Frau Fricke, Herr Rudolph, was zeichnet die Kooperation zwischen FunderNation und dem AZO – Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen in wenigen Worten aus und wie kam die Idee zur Plattform www.SpaceStarters.com überhaupt zu Stande? 

Thorsten Rudolph: „Erfahrenes Venture Capital Unternehmen trifft den erfolgreichsten Space Incubator in Europa“, so könnte man das umschreiben. Da sprudelten die Ideen nur so und nach drei Monaten wurde die Mission SpaceStarters gestartet. Nicht in Houston oder Darmstadt, sondern zwischen Bensheim und Oberpfaffenhofen.

Uli Fricke: Die Kooperation ist absolut einzigartig, da sie unser fundiertes Know-How in der Finanz- und Investmentbranche mit hervorragenden Marktkenntnissen und Expertenwissen im Bereich der Luft- und Raumfahrt verbindet. Das AZO hat sich über die Jahre nicht nur ein großes, sondern auch ein absolut erstklassiges Netzwerk in der Branche aufgebaut mit besten Kontakten zu allen wichtigen Stakeholdern in Europa. Durch diese vielversprechende Zusammenarbeit und das hervorragende Netzwerk können wir unseren Investoren nun noch mehr hochattraktive Beteiligungen in dem vielleicht wichtigsten Geschäftsfeld der Zukunft anbieten.

Frau Fricke, warum ist gerade der Bereich Luft- und Raumfahrt es wert, eine eigene CrowdInvesting-Plattform zu erhalten? Warum eignen sich gerade weltraum­spezifische Technologien besonders für diese Art der Finanzierung?

Uli Fricke: Die Antwort ist ganz einfach. Sowohl auf Unternehmens- als auch auf Investorenseite ist die Nachfrage besonders groß. Das Gründungsumfeld in der Branche ist mittlerweile sehr dynamisch und es gibt zahlreiche Unternehmen, die für ihre hochinnovativen weltraumspezifischen Technologien nach Geldgebern suchen. Und auch immer mehr Investoren erkennen die enorme Qualität, die hinter den Technologien aus der Luft- und Raumfahrt steckt. Wussten Sie z.B., dass es keine andere Branche gibt, die stärkeren Prüf- und Testkriterien unterzogen wird? Es gibt nichts, was mehr Materialbelastung zur Folge hat als ein Raketenstart und nirgendwo sind die Umgebungsbedingungen so harsch wie im Weltraum. Diese einzigartigen Bedingungen führen dazu, dass die Technologien, die in der Raumfahrt eingesetzt werden, einwandfrei und absolut zuverlässig funktionieren und inzwischen oft auch in anderen Anwendungsbereichen verwendet werden. Die technologiesicheren Innovationen aus der Raumfahrt reduzieren die Investitionsrisiken deutlich und sollten deshalb in jedem Portfolio eines Investors auftauchen.

Herr Rudolph, Berichten zufolge verschlingt die oftmals auch durch Regierungen gestützte Raumfahrt jährlich Milliarden. Sind viele Technologien für die Raumfahrt nicht viel zu aufwendig und teuer, als dass Sie jemals Profit einbringen können und der Steuerzahler etwas davon hat?

Thorsten Rudolph:
Die beste Antwort darauf liefert der Space Report 2016 (LINK). Er hat die Bedeutung der Raumfahrt als unverzichtbarer Innovationsmotor wieder einmal bestätigt. Bemerkenswert ist nicht nur der Umsatz der Branche von 325 Mrd US Dollar in 2015, sondern vor allem auch, dass jeder investierte EUR durchschnittlich 5x mehr Umsatz in anderen Bereichen bewirkt. Wir sehen dies auch in unserem Inkubator ESA BIC Bavaria bestätigt. Seit 2009 haben wir hier mehr als 110 Startups finanziell, technisch und mit unserem Netzwerk unterstützt. Daraus sind bereits mehr als 1.300 High-Tech Arbeitsplätze entstanden und die Firmen erwirtschaften einen Gesamtjahresumsatz von mehr als 130 Millionen Euro. Das Potential in dieser innovationstreibenden Branche und somit auch für SpaceStarters ist riesig.

Frau Fricke, Sie kennen sich ebenfalls bestens in der Branche aus, betreuen über die Triangle Venture Capital Group in Kooperation mit der European Space Agency (ESA) den Open Sky Technology Fund (OSTF). Was entgegnen Sie Investoren, die Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Gründungen und Innovationen aus der Luft- und Raumfahrt haben?

Uli Fricke: Zunächst einmal ist hier zu entgegnen, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit in erster Linie nicht von der Branche abhängig ist, sondern davon ob ein Unternehmen in der Lage ist ein innovatives Produkt zu entwickeln, dass aufgrund seines Nutzens Nachfrage generiert, die dann erfolgreich in Umsätze und Gewinne umgewandelt wird. In der New Space Industrie gibt es ausreichend Beispiele dafür, dass Unternehmen diese Dinge umsetzen und erfolgreich operieren. Nehmen Sie z.B. Deep Space Industries – das Unternehmen ist dabei mittel- bis langfristig den Weltraum zu revolutionieren, indem es plant Rohstoffe auf Asteroiden abzubauen. Im Vordergrund steht jedoch das Tagesgeschäft, denn die hochinnovativen Technologien, die für den Bergbau im All benötigt werden, werden auch in vielen anderen Anwendungsfeldern in der Raumfahrt benötigt. 4 Millionen USD Umsatz und ein Auftragsbestand von 10 Millionen USD in 2016 zeigen, dass DSI sich im B-2-B Geschäft bereits nach 3 Jahren erstaunlich gut positioniert hat. (Anm. d. Red.: DSI wurde im Jahr 2013 gegründet).

Herr Rudolph, die 5 Investmentkategorien reichen von satellitengestützten Produkten über Technologieentwicklungen für die Internationale Raumstation ISS bis hin zur Weltraumerforschung. Mit welchen Technologien werden bereits solide Umsätze erwirtschaftet und in welcher sehen Sie das größte Potential für die Zukunft?

Thorsten Rudolph: Satellitenbau und -betrieb sowie deren Anwendungen in den Bereichen der Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtungen sind die heutigen Wachstumsmärkte des kommerziellen Raumfahrtgeschäfts. Ohne diese raumfahrtgestützten Infrastrukturen ist das moderne Leben in einem zunehmend digital geprägten Umfeld nicht mehr möglich. Die kommerzielle Raumfahrt entdeckt aber gerade auch die enormen Möglichkeiten die das Weltall bietet. Seien es Experimente auf der ISS unter Schwerelosigkeit, Landungen auf Meteoriten, oder Satellitensysteme für die Internetanbindung des afrikanischen Kontinents – die Raumfahrt war immer einen Schritt voraus, Antreiber für Technologienentwicklungen und der Entstehung neuer Geschäftsmodelle zum Nutzen des Menschen. Hier liegt das Potential von SpaceStarters.

Frau Fricke, was hat Sie an Deep Space Industries überzeugt? Warum sollte ein Investor sein Geld auf Asteroid Mining setzen, ein Geschäftsfeld der Zukunft, das bisher noch gar nicht erprobt wurde?

Uli Fricke: Wie bereits erwähnt, erzielt DSI bereits heute über die satellitengestützten Technologien solide Umsätze. Das Vertrauen auf dem Markt zeigt sich an dem hohen Auftragsbestand. Die vielen namhaften Kunden aus der Raumfahrt sind ein Beleg dafür, dass die technischen Entwicklungen von DSI eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit nachweisen und bereits erfolgreich erprobt sind. Warum sollte das beim Asteroid Mining nicht auch der Fall sein? Außerdem haben gerade die letzten 20 Jahre gezeigt, dass die Erfolgsgeschichten dort geschrieben werden, wo Visionen sind. Denken Sie z.B. an das Internetzeitalter, das die Global Player wie Google, Apple oder Facebook hervorgebracht hat. Bei DSI haben Sie nicht nur ein solides Geschäftsmodell als Basis sondern außerdem noch eine große Vision dahinter, die das Potential hat unser Leben zu revolutionieren. Wer hier von Anfang an dabei ist, kann richtig viel Geld verdienen.

Herr Rudolph, wie schätzen Sie die Realisierbarkeit und mögliche Profitabilität von Asteroid Mining ein? Viele Medien sprechen schon von Space-Cowboys, die auf fernen Asteroiden und Planeten nach Schätzen suchen. Und wie gestaltet sich die Rechtslage? Wem gehören eigentlich die Rohstoffe im Weltraum?

Thorsten Rudolph
: Gerade in diesen Tagen hat das Handelsblatt zum Thema Rechtslage im Weltraum einen empfehlenswerten Artikel veröffentlicht (LINK). Luxemburgs Regierung hat kürzlich ein Space-Gesetz in die Wege geleitet, dass sich der Fragestellung nach den Eigentumsrechten im All widmet und Firmen wie DSI künftig Rechtssicherheit geben soll. Außerdem hat Luxemburg bereits 200 Millionen EUR in Asteroid Mining investiert. Weitere Investitionen sollen bald folgen. Ich denke, dies sind deutliche Signale, dass wir dem Tag, an dem auf dem ersten Asteroiden Rohstoffe abgebaut werden, näher sind als viele vielleicht im ersten Moment glauben.

Frau Fricke, wie werden die Unternehmen ausgewählt, die auf Ihrer Plattform online gehen? Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die ein Unternehmen erfüllen muss, wenn es über Ihre Plattform Kapital sammeln möchte?

Uli Fricke: Absolut. Wir unterziehen die potentiellen Unternehmen einer ausführlichen Prüfung in Hinblick auf von FunderNation sorgfältig festgelegten Kriterien. Hierbei kommt uns vor allem unser umfangreicher Erfahrungsschatz zu Gute, den unser Team in 20 Jahren im Bereich Venture Capitel und bei weiteren unternehmerischen Tätigkeiten aufgebaut hat. Transparenz bei der Einschätzung der Investmentchancen und -risiken liegt uns am Herzen. Aus diesem Grund kategorisieren wir die Kampagnen, je nach Unternehmens- und Umsatzsituation, in drei verschiedene Investmentprofile, die dem Investor dabei unterstützen sich von Anfang an einen klaren Überblick über das Risiko und die Rendite zu verschaffen. 

Und nun zur abschließenden Frage, Herr Rudolph. Wie sieht der Weltraum in 50 Jahren aus? Sollten wir bereits jetzt in ganz anderen Dimensionen denken?

Thorsten Rudolph: Wesentlich mehr Menschen werden ihren Arbeitsplatz im All und der Raumfahrt haben. Die zunehmend kommerziellen Aktivitäten wie die Entwicklung von Produkten in der Schwerelosigkeit, der Abbau von Edelmetallen auf Asteroiden und der Bau von Raumstationen und Raumfahrzeugen werden vor allem auch neue hochqualifizierte Arbeitsplätze hervorbringen. Ich denke, dass ist eine realistische Vorstellung wie der Mensch das All als Arbeitsplatz und neue Lebenswelt erobert. Und wir mit SpaceStarters werden zusammen mit unseren Investoren an diesen hochspannenden Entwicklungen und Erkenntnissen ganz nah dran sein.

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