Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck, mit Hauptsitz in Darmstadt, hat vor einigen Wochen sein neues Accelerator-Programmen in Darmstadt und Nairobi (Kenia) gestartet. Die Bandbreite der von den Start-ups in Darmstadt abgedeckten Themen reicht von der Digitalisierung des Arbeitsalltags von Wissenschaftlern bis hin zu intelligenten Verpackungslösungen für die Lebensmittel- und Arzneimittelindustrie. In Nairobi konzentrieren sich die Start-ups auf digitale Lösungen für die Versorgung mit Medikamenten, die Echtheitsprüfung von Medikamenten und das persönliche Krankheitsmanagement. Gegenüber dem Anmeldeverfahren im Frühjahr 2016 hat die Anzahl der Bewerbungen für das Programm im Herbst um 50 % zugenommen. Insgesamt bewarben sich Start-ups aus mehr als 50 Ländern um die Teilnahme an den Accelerator-Programmen. Es werden auch bereits wieder Bewerbungen für den nächsten Durchgang entgegengenommen.

 

Die Start-ups in Darmstadt werden ihre Fortschritte am 14. Dezember 2016 beim sogenannten Demo Day präsentieren. Der entsprechende Demo Day in Nairobi findet in der letzten Novemberwoche dieses Jahres statt.

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Die neuen Start-ups des Accelerator-Programms in Darmstadt:

Das Start-up AptaCam bietet eine digitale Plattform, mit der die Effizienz der Entwicklung klinischer Diagnostika und der Medikamentenentwicklung verbessert wird. Die Plattform ermöglicht es Wissenschaftlern, Informationen über kurze DNS-Sequenzen, die im Bereich der Biowissenschaften weitverbreitet zum Einsatz kommen, auszutauschen und zu analysieren. Dadurch dass bereits in der Anfangsphase der Untersuchungen hochmoderne Analytik und die Möglichkeit zum digitalen Austausch mit anderen Forschern bereitgestellt werden, entfallen bestimmte Laborarbeiten und so verkürzt sich die Zeit „vom Labor zum Krankenbett“. Zudem könnte es den Prozess der Arzneimittelentwicklung kostengünstiger und schneller machen. Neben dem Analytikraum umfasst die Plattform auch einen E-Commerce-Bereich, in dem Forscher spezielle DNS-Sequenzen kaufen können. Gründer von AptaCam ist Yang Zhang, der dieses Projekt für seine Doktorarbeit an der University of Cambridge startete. Heute hat Aptacam seinen Sitz in Hongkong.

Neben AptaCam wurde ein weiteres Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich in die dritte Runde aufgenommen. Clustermarket hat seinen Sitz in London und hat einen Weg gefunden, den Arbeitsalltag von Wissenschaftlern im Bereich der Biowissenschaften zu erleichtern. Nutzer können über eine Online-Plattform verschiedene Ausrüstung und Gewebe ausleihen oder sogar vom Fachwissen der Kollegen profitieren. Das Unternehmen nimmt sich so dem Problem an, dass Laborausrüstungen in der Anschaffung oft sehr hohe Kosten verursachen. Durch das Sharing-Prinzip lassen sich die Kosten für die Labortechnik verringern, wodurch auch kleinere Forschungsprojekte Zugang zu hochwertiger Laborausrüstung erhalten.

Das Start-up Cubuslab aus Karlsruhe zieht als drittes Unternehmen in das Merck Innovation Center in Darmstadt ein. Das Team um die Gründer Dr. Dominic Lütjohann und Julian Lübke setzt sich mit ihrer Technologie ebenfalls für reibungslosere und schnellere Arbeitsabläufe im Alltag von Wissenschaftlern ein. Die Hardware von Cubuslab verknüpft einzelne digitale Laborgeräte zu einem einzigen größeren System. Dadurch wird ein einfacherer Datenaustausch zwischen allen Geräten möglich. Die Software visualisiert darüber hinaus Labordaten in Echtzeit, sodass diese auf verschiedenen Geräten wie Smartphones, Tablets oder PCs abgerufen werden können. Auf diese Weise können Prozesse in Labors effizienter gesteuert und analysiert werden.

Aufgrund der großen Anzahl an Bewerbungen, die dieses Jahr im Accelerator in Darmstadt eingingen, wurde ein weiteres, viertes Start-up ausgewählt. Fedorov ist ein Team aus Jülich, das sich im Bereich „Internet of Things“ bewegt. Die drei Gründer, Alexey Yakushenko, Jan Schnitker und Marcel Grein, haben eine intelligente Verpackungslösung für die Lebensmittel- und Arzneimittelindustrie geschaffen. Die Verpackung ist in diesem Fall mit einem Sensor ausgestattet, der den Anwender in Echtzeit über den Zustand gelagerter Produkte informiert. Außerdem erhalten die Nutzer Informationen über die Herkunft und den Transport des Produktes. Der Sensor kann mit dem Smartphone des Anwenders oder mit intelligenten Hausgeräten wie Kühlschränken verbunden werden.

Die neuen Start-ups des Accelerator-Programms in Nairobi:

MedRX App, ein Start-up in Accra (Ghana), verbindet Patienten, die verschiedene Medikamente benötigen, mit den nächst gelegenen Apotheken, die diese Medikamente vorrätig haben. Der Zugang von Patienten zu den richtigen Medikamenten stellt ein großes Problem auf dem gesamten afrikanischen Kontinent dar. Oft müssen die Patienten vier oder fünf Apotheken auffinden, bis sie die verschriebenen Medikamente erhalten und manchmal gelingt es ihnen überhaupt nicht, das Medikament zu finden. In der MedRX App können die Patienten sämtliche Medikamente auflisten, die sie benötigen. Die App sendet dann eine Anfrage an 20 Apotheken, die sich in der Nähe des Patienten befinden. Wenn die Medikamente in einer der Apotheken vorrätig sind, erhält der Nutzer über die App ein GPS Signal und Informationen wo er die nächstgelegene Apotheke finden kann. Der Patient kann entscheiden, ob er sich das Medikament liefern lässt oder es selbst abholt. Und das ist noch nicht alles: Die MedRX App ermöglicht mithilfe eines Forums in der App den Austausch zu Ärzten oder Apothekern, um medizinische Fragen zu stellen.

Der Gründer Tony Kimani aus Atlanta (USA) entwickelte mit seinem Team den digitalen medizinischen Service PreMedicus. Im Zentrum des Geschäftsmodells steht eine App, die es den Usern im Falle einer Krankheit ermöglicht, über das Smartphone eine Eigendiagnose durchzuführen, noch bevor diese einen Arzt aufgesucht haben. Bei dieser App beantworten die Anwender Schritt für Schritt Fragen zu eventuellen Symptomen und erhalten abschließend eine erste Diagnose mit Angaben über die Art der Erkrankung und die Dringlichkeit einer Behandlung. Die Software von PreMedicus ist in der Lage, Symptome nicht nur Erkrankungen wie Grippe oder Lungeninfektion zuzuordnen, sondern auch Krankheiten wie Herz- und Schlaganfall. Darüber hinaus können die Anwender ihre persönlichen Krankenberichte in das System hochladen, um eine genauere Diagnose zu erhalten, die ebenfalls frühere Krankheiten und Erkrankungen berücksichtigt. Zudem gibt die PreMedicus eine Auskunft darüber welcher Arzt vom Patienten am besten aufgesucht werden sollte.

VeriPAD befasst sich mit dem Problem der Arzneimittelfälschung. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsbehörde WHO sind 20 % bis 50 % der verschreibungspflichtigen Medikamente gefälscht, was für viele Patienten ein erhebliches Risiko darstellt. VeriPAD hat eine App entwickelt, mit der Labore und Patienten sofort erkennen können, ob ein Medikament gefälscht ist oder nicht. Zu diesem Zweck wird ein speziell entwickelter Bogen Papier verwendet, um die chemische Zusammensetzung eines Medikaments zu testen. Das Papier reagiert auf die Bestandteile des Medikaments und bildet so ein bestimmtes Muster ab. Der Anwender macht mit der App ein Foto von diesem Muster und mit Hilfe einer Bilderkennungssoftware stellt die App fest, ob das Medikament gefälscht ist. VeriPAD wurde von Bishoy Ghobryal, Da Wi Shin und Y-Lan Nguyen gegründet, alle drei aus New York.

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