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3D gehört die Zukunft

Daran lassen Benjamin Schulz (Creative Director) und Paul Kramer (Technical Director) am vergangen Donnerstalk keinen Zweifel. Sie arbeiten in einer Agentur für 3D-Design und Illustration genannt Augenpulver. Seit 2006 wird dort bereits mit der 3D-Technik experimentiert. Die beiden nutzen dann auch die 25 Minuten ihres Vortrags, um eines klarzustellen: 3D ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch und zwar in allen Bereichen – vom Industriebauteil über Möbel und medizinische Ersatzteile jeglicher Art bis hin zu menschlichen Organen und Essbarem wie Schokolade, Kuchen und Steaks – auch wenn der mitgebrachte 3D-Drucker „Felix“ noch nicht aussieht, als könne er die Gegenwart revolutionieren, geschweige denn die Zukunft darstellen.

„Felix“ gewinnt noch nicht den Design Award, aber beeindruckt in 3D.
„Felix“ gewinnt noch nicht den Design Award, aber beeindruckt in 3D.

In Wiesbaden sind es zu Beginn der Veranstaltung gute 38 Grad warm, der heimathafen voll besetzt. Ich sitze äußerst skeptisch unter den Zuhörern in der Reihe und frage mich: 3D-Drucker, wer braucht denn so etwas? Wohl eher was für Technikfreaks, Bastler oder Liebhaber von Modelleisenbahnen. Ein Nischenprodukt, so dachte ich, und bin gespannt, was nun kommt. Ein kurzes Gespräch mit meinem Sitznachbarn lässt mich sogleich ins Grübeln kommen. Er ist sichtlich interessiert und erklärt mir, dass er sich mit der Absicht trägt, ein solches Gerät anzuschaffen – 3D sei die Zukunft und da wolle er als Agenturbetreiber nichts verschlafen – und wie ein Modelleisenbahnbauer sieht er eigentlich auch nicht aus. Aha, denke ich, schweige und höre mir an, was es für unterschiedliche Verfahren, Drucker-Typen und Materialien gibt und für welche Produkte und Anwendungen sie sich eigenen.

Ich lerne, dass man zwischen dem additiven Verfahren, bei dem Materialien aufgetragen werden, und dem substraktiven Verfahren, das einer Fräse gleicht, unterscheidet, dass es FF, LCM, MJM-Drucker, die DLP-Technik gibt und auch Elektronenstrahlschmelzen für diejenigen, die Raketen bauen möchten. Ebenso vielfältig wie die Drucker sind auch die Materialien, die sie verarbeiten können. Bei aller technologischen Vielfalt mit vielen Vor- und Nachteilen steht laut Kramer am Anfang die Frage, was der 3D-Drucker leisten soll und welches Produkt erwartet wird. Denn schließlich soll ja auch Geld damit verdient werden. Längst ist das 3D-Wirtschaftsfeld entdeckt, viele Beispiele aus den Bereichen Architektur, Kunst, Medizin, Automobilindustrie, die damit nicht mehr nur experimentieren, sondern sie auch tatsächlich nutzen, belegen das. Die Anschaffungskosten für einen brauchbaren DLP-Drucker beginnen derzeit bei 1.300 Euro. Auch gibt es mittlerweile reine Dienstleistungsunternehmen wie shapeways (u.a. Schmuckprint) und formicum (Papierdruck).

Mehr und mehr wird mir klar: Es lohnt sich, die Entwicklung zu verfolgen. 3D-Drucken bietet Möglichkeiten, kostengünstig zu produzieren, insbesondere dann, wenn es um kleine Chargen geht. Ersatzteile müssen nicht eigens produziert und teuer gelagert werden, sondern können als Print-on-demand gedruckt werden. Und es schafft Freiräume für Kunst und Experimente jeglicher Art. In der Pause begutachte ich dann interessiert das aufgebaute Gerät. Ich lasse mir kurz erklären, wie es funktioniert und sehe dabei zu, wie ein plastischer Anker, das heimathafen-Logo, vor meinen Augen entsteht. Ich bin nahezu restlos beeindruckt und überzeugt – 3D gehört die Zukunft!

Ein Paradies für Tüftler

Jetzt also auch in Wiesbaden: Nach Frankfurt, Darmstadt und Offenbach soll es im Rhein-Main-Gebiet einen weiteren MakerSpace geben, so der Wunsch des Initiators Michael Ziem, der im Anschluss an den Vortrag seine Idee mit viel Begeisterung vorstellt. Wenn es nach dem Möbelgestalter geht, soll es noch in diesem Monat zur Gründung der Mitmachwerkstatt kommen.

Welche Idee steckt hinter MakerSpaces?

Diese Frage stellt Ziem dem Publikum und bekommt prompt die Antwort geliefert: „Leute treffen sich, um Ideen auszutauschen und gemeinsam umzusetzen und zwar von Hightech bis Handwerk.“
Es geht also um Selbermachen, um Do-it-yourself und um Sharing von Werkzeugen und Wissen. Gedacht ist das Ganze für Bastler, die Platzprobleme haben, teure Werkzeuganschaffungen vermeiden wollen, Inspiration suchen oder helfende Hände brauchen und zwischen 10 und 93 Jahren alt sind. So vielfältig wie die Zielgruppe des MakerSpace sollen auch die Materialien sein, die verarbeitet werden können – von Stoff über Holz bis Kunststoff wie zum Beispiel Tyvec ©, einem Vliesstoff aus Polyethylen, der sich für vieles eignet und von dem Ziem sichtlich begeistert ist. Den Raum stellt er in seiner knapp 80 Quadratmeter großen Werkhalle zur Verfügung. Eine CNC-Fräse, eine Drechselbank, Arbeitstische, eine Nähmaschine und ein Kompressor sind bereits vorhanden. Der MakerSpace soll nach Ansicht des Initiators auf drei Ebenen basieren:

  • Jeder kann seine individuelle Idee umsetzen
  • Größere Projekte, die gemeinsam auf die Beine gestellt werden (z.B. der Bau eines E-Bikes, eines Akku-Schrauber-Rennwagens oder eines 3D-Druckers)
  • Durchführung von Schulungen/Lehrgängen sowie Veranstaltungen

Das Organisatorische: Ein Verein soll‘s richten

Für das Gelingen des Vorhabens sieht Michael Ziem die Gründung eines Vereins vor. Notwendige Ausgaben wie Miete, Kauf von Materialien, Anschaffung von weiteren Maschinen sollen durch Mitgliederbeiträge zwischen 20 und 30 Euro monatlich gedeckt werden sowie durch Einnahmen von Kursen und Spendenbeiträgen. Für die Vereinsgründung werden sieben Personen benötigt, die sich in Anbetracht der regen Nachfrage an diesem Abend sicherlich in Kürze finden werden. Termine für erste Treffen mit Mitmachern sind bereits für diese Woche vereinbart.

Interessenten wenden sich an:
Michael Ziem: Tel. 0179/112419 oder E-Mail: mic2@gmx.net

Die beiden Vorträge sind auch in der Mediathek zu finden: https://vimeo.com/album/2655588/
Nächster Donnerstalk im heimathafen: 3. September, das Thema steht noch aus.

Text: Birgit Schlegel, freie Redakteurin

Weitere Informationen zu Events in der Region:

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