Heute für Euch im Gespräch: Karlheinz Schmelig, Managing Partner bei Creathor Venture – einem Venture Capital Fonds aus Bad Homburg. Karlheinz ist dort für das gesamte Life Science Portfolio und die Investitionsstrategie in diesem Bereich verantwortlich. Im Interview erklärt er uns, welche Investitionsschwerpunkte Creathor hat, welche aktuellen Trends es gibt und natürlich seine Sicht auf die lokale Szene.

Karlheinz, wo genau liegt der Investitionssfokus von Creathor Venture?
Creathor ist eine breit aufgestellte Venture Capital Gesellschaft: Wir investieren europaweit in den unterschiedlichsten Industriezweigen: Neben der DACH-Region halten wir Beteiligungen in Schweden, Finnland, Frankreich und den USA. Unser IT- und Tech-Team investiert in Startups Bereichen wie Mobile, eCommerce, Fintech oder auch Internet of Things. Im Life Science Team liegt unser Fokus auf Medizintechnik, mobile Health (mHealth) und Life Science Tools and Services.

Gibt es Bereiche, die Ihr von vorneherein ausschließt?
In der Regel investieren wir nicht in Unternehmen, die sich mit der Entwicklung von Arzneimitteln beschäftigen. Karlheinz Schmelig von Creathor VentureDas liegt daran, dass hier die Investitionszyklen in der Regel deutlich länger sind, als die von uns angestrebten 5-7 Jahre. Zudem ist das Entwicklungs-Risiko im Pharma-Bereich sehr hoch – es gibt immer wieder Wirkstoffe, die auch noch in der letzten Phase der klinischen Entwicklung scheitern.

Wer die Nachrichten in der Life Science Szene verfolgt, der weiß, dass Ihr von diesem Prinzip eine Ausnahme gemacht habt…
Richtig, es gibt ein Projekt aus dem Pharma-Bereich in das wir investiert sind: Phenex Pharmaceuticals. Das Unternehmen sitzt in Heidelberg – also auch fast im Rhein-Main-Gebiet. Die einmalige Kombination aus Team und Technologie hat uns in diesem Fall zu der Ausnahme bewegt. Und es hat sich gelohnt: Seit 2012 gibt es ein Lizenzabkommen mit dem Unternehmen Janssen und vor wenigen Wochen konnte das Unternehmen ein weiteres Entwicklungsprogramm an Gilead verpartnern. Beide Deals gehören zu den Top 15 der deutschen Biotech-Deals in den letzten zehn Jahre.

Stichwort Rhein-Main: Welche Beteiligungen haltet Ihr noch in der Region?
Im Life Science Bereich sind wir noch in die Accovion in Eschborn investiert. Accovion ist eine Contract Research Organisation (CRO), die sich auf die Durchführung klinischer Studien für die Pharma- und Medizintechnikindustrie spezialisiert hat. Die IT-Kollegen betreuen in der Region noch die in Butzbach ansässige Firma Shopgate – bei der sich alles rund um das Thema mobile Commerce dreht – und in Frankfurt die Tellja, die sich auf online Empfehlungsmarketing spezialisiert hat.

Welche Trends siehst Du in den Life Sciences?
Ein Trend sind Geschäftsmodelle im Bereich personalisierte Medizin. Hierunter versteht man die medizinische Versorgung von Patienten auf Basis ihres genetischen Profils. Dieser Markt ist unheimlich dynamisch: Während noch vor wenigen Jahren die Sequenzierung des menschlichen Genoms ein langwieriges und teures Unterfangen war, ist sie heute fast schon massentauglich und daraus entstehen spannende Technologien und Geschäftsmodelle. Wir haben mit der Sividon und Chuncell gleich zwei Unternehmen aus diesem Bereich im Portfolio. Beide bieten diagnostische Tests an, die eingesetzt werden, um individuelle Risikoprofile von Patienten mit onkologischen Erkrankungen zu erstellen, damit Ärzte eine passgenaue Therapie einleiten können.

Eng verknüpft mit diesem Trend ist auch das Thema Big Data: Sowohl durch die Sequenzierung als auch die individualisierte Behandlung von Patienten werden unfassbar viele Daten erhoben. Diese Daten liefern wertvolle Informationen über die Entstehung und auch Behandlung von Erkrankungen und können der Schlüssel zur Entwicklung von neuen Therapien sein. Technologien, die das Sammeln, Verarbeiten und Interpretieren dieser Daten optimieren sind extrem zukunftsträchtig und werden weltweit benötigt.

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mHealth oder eHealth ist ein weiteres Feld in dem wir großes Potential sehen. Hier suchen wir Geschäftsmodelle, die sich mobiler Technologien bedienen, um die Gesundheitsversorgung zu optimieren. Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist Klara. Das Team hinter Klara hat eine App entwickelt, die Dermatologen und Patienten miteinander verbindet und so den Behandlungsprozess effizienter gestaltet. Nicht alle sehen diesen Trend so positiv wie wir: Werden traditionelle Strukturen aufgebrochen und Veränderungen angestoßen, müssen zahlreiche Interessen berücksichtigt werden – aktuell sehen wir an den Diskussionen um das eHealth-Gesetz in Deutschland, wie brisant das Thema auf nationaler Ebene ist. Für uns ist dies ein durchaus positives Signal dafür, dass in Deutschland mittelfristig für Geschäftsmodelle im Bereich mHealth Platz ist. Wir sehen uns aber auch darin bestärkt, dass für all unsere Investitionen gelten muss, dass die Geschäftskonzepte international skalierbar sein müssen.

Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main gerade aus der Perspektive Life Science?
Die Rahmenbedingungen sind hervorragend: Wir haben mehrere Hochschulen in der Region, die forschen und potentiellen Gründern die wissenschaftlichen Grundlagen beibringen. Zahlreiche internationale Konzerne wie AbbVie, Lilliy, oder Fresenius sitzen in der Region, schaffen ein gutes Klima und sind immer offen für den Dialog mit Gründern und Investoren. Mit Science4Life haben wir einen der prominentesten nationalen Gründerwettbewerbe im Bereich Life Sciences vor Ort. Möglicherweise sind die Rahmenbedingungen aber auch zu gut: Trotz des positiven Umfeldes, sehen wir nur wenige Unternehmensgründungen in dem Bereich – vielleicht entscheidet sich die Mehrheit doch für einen Job bei einem Konzern.

Herzlichen Dank Karlheinz für das spannende Interview!

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