Markus-Schaarschmidt_fotoliaDu hast Dein Handy verloren – und jetzt? Markus Schaarschmidt von „Zentrales Fundbüro“ aus Frankfurt möchte aus diesem Schrecken ein zumindest etwas kleineres Übel zu machen. Wie? Das berichtet er in unserem Interview.

RMS: Bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Markus Schaarschmidt, ich bin der Entwickler und Geschäftsführer des Zentralen Fundbüros. Mein Team und ich bieten, man kann es aus dem Namen fast schon erahnen, eine zentrale Anlaufstelle für alles Gefundene, Verlorene, Gestohlene und Entlaufene; vom Stofftier über den Geldbeutel und Wellensittich bis hin zur Rolex. Für Unternehmen und Behörden bieten wir mit unserer Software und App “Zentraler Fundbüro Manager” eine Lösung, mit der das Handling von Fundsachen maximal vereinfacht wird.
Außerdem haben wir uns dem Kampf gegen Hehlerware verschrieben. Dank unserer Seriennummern-Datenbank, die immer weiter ausgebaut wird, kann vor einem Kauf geprüft werden, ob der Gegenstand in Frage bereits als „verloren“ oder „gestohlen“ gekennzeichnet ist. Wer zum Beispiel sein Handy vermisst, kann es so brandmarken und für potenzielle Hehler uninteressant machen. Auch weitere Services rund ums Thema Fundsachen sind Teil unseres Portfolios oder befinden sich gerade im Aufbau.

RMS: Wie kam es zur Gründung von Eurem Startup?

Wie das mit Ideen oft so ist, liegt dem Ganzen eine eigene leidliche Erfahrung zugrunde. Ich hatte meinen Rucksack an der S-Bahn vergessen und somit waren mein Geldbeutel, Datenträger und auch viel Kleinkram erstmal weg. Aufgeben wollte ich meine Sachen allerdings noch nicht – so war ich gezwungen eine wahre Odyssee auf mich zu nehmen, angefangen beim städtischen Offline-Fundbüro und dem des Hauptbahnhofs über die Stellen unserer Bus- und S-Bahnlinien bis hin zu den nahegelegenen Supermärkten und Gaststätten. Bei der Polizei war ich natürlich auch.

Die Antworten waren aber immer dieselbe Tonspur: “Noch haben wir nichts, vielleicht probieren Sie es später nochmal.” Gleichzeitig prüfte ich regelmäßig die Online-Einträge unterschiedlichster Fundseiten im Internet. Da musste ich dann feststellen, dass die meisten bestehenden Fundseiten veraltet, kaum gepflegt oder thematisch und regional eingeschränkt waren.

Da dachte ich mir: “Das muss doch besser gehen!” Also habe ich beschlossen, eine eigene, funktionalere und zentrale Plattform aufzubauen, damit andere in einer ähnlichen Situation es zukünftig einfacher haben.

RMS: Wie habt Ihr die Finanzierung des Startups gestemmt?

Das Zentrale Fundbüro ist bisher komplett eigenfinanziert. Da es als Projekt unter dem Dach der NEOSULTING GmbH startete, war das Stemmen der Ressourcen recht unproblematisch. Für unsere weiteren Vorhaben, die in einer etwas höheren Größenordnung anzusiedeln sind, halten wir aber auch Ausschau nach potenziellen Geldgebern. Wichtig hierbei ist uns allerdings eine Partnerschaft auf Augenhöhe – wir sind nicht bereit um jeden Preis Finanzmittel anzunehmen. Daher sind wir momentan am ehesten an einer Kooperation mit den Business Angels interessiert – aber welchen Pfad wir letztlich einschlagen werden, ist natürlich angebotsabhängig. Vielleicht gibt es ja auch ein Venture Capital, mit dem wir gut zusammenarbeiten können. Wir haben uns da noch nicht festgelegt.

Notebook-und-Tablet_graphicriverRMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Ihr bisher bei der Gründung und dem Aufbau des Startups überwinden musstet?

Am Anfang standen wir vor der großen Herausforderung, die Technologie für die Realisierung des Projekts zu entwickeln. Einen Service wie unseren gab es vor uns schlichtweg noch nicht, daher war sehr viel Kreativarbeit gefragt – sowohl für die Online-Plattform als auch für die Fundbüro-Software und -App.
Nachdem diese Hürden geschafft waren, hat uns die etwas unkooperative Haltung auf kommunaler Seite überrascht. Seit wir unsere Leistungen anbieten, versuchen wir mit den Vertretern einer vermeintlich modernen Großstadt im Rhein-Main-Gebiet in Kontakt zu treten, um ihnen unsere verschiedenen Optionen zur Verbesserung des städtischen Bürgerservice vorzustellen. Man soll nicht glauben, dass eine der innovativsten Städte Deutschlands in Sachen Fundbüro doch noch derartigen Aufholbedarf hat und keinerlei Onlinepräsenz vorweisen kann. Wirklich geschockt waren wir dann über Aussagen wie: “Wer sucht denn bitte online nach Verlustsachen?”. Das Fehlen einer übergeordneten Instanz macht es noch komplizierter, hier bis zu einem echten Entscheidungsträger vorzudringen – wenngleich jüngere Ansprechpartner die Vorteile des Zentralen Fundbüros sehr schnell erkennen. Hier gilt es auch ältere Vertreter für moderne Kunden- und Bürgerbedürfnisse zu sensibilisieren, denn auf einen Generationenwechsel innerhalb der Behörde wollen wir sicherlich nicht warten.

RMS: Mit wie vielen Leuten arbeitet Ihr mittlerweile an Eurem Startup?

Unser Kernteam besteht aus drei hochgradig involvierten Teammitgliedern, die die Bereiche IT und Entwicklung, Public Relations und Vertrieb intern abdecken. Dazu verfügen wir natürlich auch über ein Netzwerk aus verschiedenen Freelancern, die uns projektbasiert unterstützen. Insgesamt sind wir schon sehr gut aufgestellt.

RMS: Was macht Ihr, um den Bekanntheitsgrad von Eurem Startup weiter auszubauen?

Öffentliche und mediale Aufmerksamkeit sind gerade für eine Plattform wie unsere, die von aktiver Partizipation lebt, enorm wichtig. Daher sind wir auch sehr fleißig, was unsere Social-Media-Aktivitäten betrifft. Hier halten wir unsere Fans und Follower über neueste Entwicklungen auf dem Laufenden, teilen interessante Geschichten rund ums Thema Fundsachen oder laden auch mal den ein oder anderen scherzhaften Flyer hoch. Ebenso wichtig ist uns ein positiver Draht zur Presse – Interviews wie dieses hier sind beispielsweise eine optimale Möglichkeit, den Menschen das Zentrale Fundbüro näherzubringen. Davon abgesehen haben wir jetzt auch angefangen an Gründer- und Innovationswettbewerben teilzunehmen. Wir sind schon sehr gespannt darauf, ob wir dahingehend etwas bewegen können. Ganz klassisch sind natürlich auch unser Vertrieb und das Marketing gefragt.
Doch wir wären nicht wir, wenn wir nicht auch außerhalb von Schubladen denken würden – so spielen wir momentan mit dem Gedanken, uns einen Fürsprecher für das Zentrale Fundbüro zu suchen. Immerhin kann man bei uns kostenlos Vermisstes suchen, Gefundenes einstellen, kurzum, einem Netzwerk beitreten, in dem sich Menschen untereinander helfen. Sigmar Gabriel meinte doch kürzlich auf dem Hamburger IT-Gipfel, dass man deutsche Start-ups beim Wachsen unterstützen müsse, oder? Vielleicht hat er ja die Muße dazu – ich sehe schon die Schlagzeile: “Politiker lässt Worten Taten folgen!” Das wäre doch mal was.

RMS: Wo möchtet Ihr in den nächsten 3-5 Jahren mit Eurem Startup stehen?

Wir wollen das Google für Verlorenes und Gefundenes werden – weltweit. Unser Ziel ist es, erste, globale Anlaufstelle für sämtliche Angelegenheiten rund ums Thema Fundsachen zu sein; für Privatleute, Unternehmen, Behörden, Kommunen und so weiter. Sie sollen Freude daran und einen Mehrwert davon haben, aktiv mitzuwirken, und auch Erfolgsgeschichten selbstständig auf unserer Webseite posten, um ihre Erfahrungen auszutauschen, damit so auch andere mitkriegen, dass der Service funktioniert. Hierfür müssen wir selbstverständlich noch etwas tun, aber wir sind auf einem guten Weg.

Einige selbst gesteckte Ziele haben wir schon übertroffen. Seit unserem Launch im April konnten wir zum Beispiel zum größten Online-Fundbüro heranwachsen – als Meta-Suchmaschine für Verlustgut bieten wir eine zentrale Anlaufstelle und bilden über 700 frei zugängliche kommunale Online-Fundbüros ab. Als nächstes wollen wir natürlich dafür sorgen, dass die direkt in das Zentrale Fundbüro eingetragenen Meldungen die der Drittanbieter übertreffen. Das Vorhaben scheint aufzugehen, wenn man sich die Nutzerzahlen ansieht.

Internationalität ist ebenfalls ein bereits in Angriff genommenes Ziel. Wir wollen eine globale Anlaufstelle sein, also müssen wir uns auch so aufstellen. Länderspezifische Eigenheiten müssen berücksichtigt werden, in erster Linie natürlich auch die sprachlichen Barrieren. Daher werden wir schon bald die englischsprachigen Regionen bedienen können. Glücklicherweise ist Englisch ja sozusagen die Amtssprache des Internets, daher werden auch andere Länder unser Fundbüro einfach nutzen können. Ist der Durchbruch erst mal geschafft, werden wir selbstverständlich auch hier individualisieren.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ist die Region eine gute Gegend für Startups?

Geografisch liegt die Rhein-Main-Region hervorragend. Die zentrale Ausgangsposition erlaubt eine ideale Erreichbarkeit für ganz Deutschland, was vor allem aus vertrieblicher Sicht immense Vorteile bietet. Auch wirtschaftlich ist gerade die Region Frankfurt äußerst stark, vor allem im Finanzsektor. Für Start-ups aus diesem Bereich ergeben sich daher zahlreiche Optionen. Etwas schwieriger sieht es für Start-ups außerhalb des Finanzsektors oder im reinen B2C-Bereich aus – hier kann noch mehr getan werden, um hiesige Jungunternehmen zu fördern. Berlin ist uns in dieser Hinsicht denke ich noch voraus, aber das wird sich im Laufe der Jahre sicherlich noch ändern. Wir stehen in Kontakt mit einigen Gründern aus der Region; Potenzial und Innovation sind hier definitiv vorhanden. Gibt man ihnen die Chance, hilft das mittel- wie langfristig dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einem deutschlandweiten Innovationspool zu werden. Auch der Finanzsektor kann hiervon nur profitieren.

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest?

Verwechselt Zielstrebigkeit nicht mit Sturheit. Machen wir‘s mal konkret: Es wird immer diejenigen geben, die euch von eurer Idee abbringen wollen. Oft sind das die, die euch am nächsten stehen, da man nicht zusehen will, wie ihr Risiken eingeht und vielleicht auf die Nase fallt. Das ist auch völlig in Ordnung so! Es zwingt euch zur Reflexion, die eigenen Pläne zu hinterfragen, und stärkt letztlich euer Vorhaben, wenn ihr euch wirklich sicher seid.

Davon abgesehen solltet ihr nicht glauben, dass eure erste Idee ein makelloses Endprodukt ist. Hört euch auch negative Kritik sehr genau an und seid bereit, euren Service oder euer Produkt an verschiedene Bedürfnisse anzupassen – sowohl die Bedürfnisse des Kunden als auch die von Investoren. Letztere sind in Deutschland – zumindest unserer Erfahrung nach – eher an B2B-Lösungen interessiert als am B2C-Bereich. Falls ihr also die Wahl habt und auf Fremdkapital hofft, konzentriert euch auf B2B. Die eigene Vision sollte dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Es gilt den Drahtseilakt zu meistern, dem man zwangsläufig ausgesetzt sein wird.
Um es knackig zusammenzufassen: Beweist Mut, passt euch wo nötig an, haltet durch und bleibt euch treu.

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