Bereits die Lage von vertical cloud solution GmbH hat einen modernen Technocharme. Mit der Telekom und EUMETSAT als Nachbarn sitzt das junge Darmstädter StartUp im Westen der Stadt in bestem Ambiente. Dort habe ich das Team besucht und interviewt. In ihrem imposanten Open Space Büro durfte ich mir einen Eindruck ihres Projekts gastromatic machen. Mir persönlich gefällt die App sehr gut.

 

vertical cloud solution gmbh
Vertical Cloud Solution GmbH

RMS: Ich freue mich, dass Ihr offen seid, Euch vorzustellen mit Eurer Idee, gastromatic. Ich bitte Euch um eine Vorstellung darüber, wer ihr seid, wie ihr euch gefunden habt, welche Vision ihr teilt und dann hätte ich noch Fragen dazu, wie eure Beziehung zu Darmstadt ist. Vielleicht gibt es da auch irgendwie eine finanzielle Basis oder irgendwelche Standortvorteile von Darmstadt für euch.

Patrick: Ich bin Patrick Pötzsch, wohne seit ungefähr 6 Jahren in Darmstadt und bin auch aktuell noch Student in Darmstadt an der TU. Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen, Richtung Elektrotechnik. Eigentlich stamme ich aus der Nähe von Karlsruhe. In meiner ersten Woche habe ich den Florian kennengelernt. Und es war uns schon zu Beginn des Studiums klar, dass wir irgendwas zusammen gründen wollten. Und dann letztes Jahr haben wir gesagt, „Okay, jetzt ist es so weit. Jetzt gründen wir was!“

Florian: Bei mir ist es ähnlich wie bei Patrick auch. Ich bin nach Darmstadt gekommen, um zu studieren; auch Wirtschaftsingenieur, Fachrichtung Maschinenbau. Ich befinde mich jetzt auch am Ende vom Studium. Schon zu Beginn des Studiums haben wir immer wieder verschiedene Anläufe gestartet, uns etwas Eigenes aufzubauen. Mit unterschiedlich großem Erfolg. Irgendwann sind wir über Patricks Cousin, der eine Gaststätte hat, auf die Problematik gestoßen und haben dann gedacht, dass es so viele Möglichkeiten mit einem Cloud basierten System gibt – da können wir doch bestimmt was Cleveres machen für den Personaleinsatz in der Gastronomie. Das war vor ein bisschen mehr als einem Jahr.

Es gibt schon relativ viele, vereinzelte StartUps. Man muss nur einen ziemlichen Aufwand betreiben, um mit denen in einem regen Austausch zu bleiben.

RMS: Ist Südhessen generell gut für InternetstartUps?

Florian: Es gibt schon relativ viele, vereinzelte StartUps. Man muss nur einen ziemlichen Aufwand betreiben, um mit denen in einem regen Austausch zu bleiben. Hier ist alles verteilt; in Darmstadt ist was, oder in Wiesbaden, Frankfurt. Es gibt noch keine wirkliche regionale Bündelung von Synergien.

RMS: Gibt es auch irgendeine Möglichkeit von der Uni eine Förderung zu erhalten?

Florian: Es gibt ein paar Fachbereiche, die da ganz gut aufgestellt sind. Im IT-Bereich, die haben da auch Erfahrung und Kontakte zu bisherigen Gründungen. Deren Veranstaltungen zu besuchen, war ganz hilfreich. Und dann gibt es noch die uniinterne Gründungsberatung, die mittlerweile ganz gut aufgestellt ist.

Patrick: Noch einmal zu der Frage, wie man unterstützt wird, finanziell. Wie der Flo es schon gesagt hat, wir sind von der Idee her gekommen, dass wir etwas Eigenes machen wollen. Und um diese Sache so ein bisschen verbindlich für uns zu machen, haben wir recht früh eine UG gegründet. Das hat sich im Nachhinein als bedingt hilfreich herausgestellt, weil wir zwar die Verbindlichkeit hereingekriegt haben, aber wir haben uns gleichzeitig die Türen verschlossen, um ein Stipendium vom Bund zu bekommen; das EXIST-Stipendium. Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, würde ich schon gerne versucht haben, das Stipendium zu bekommen. Auf der anderen Seite wäre es, unsere Geschichte betreffend, eigentlich nicht nur gut gewesen. Denn wir haben noch die anderen Jungs mit ins Boot geholt und dabei hat die UG geholfen, für uns alle gemeinsam Verbindlichkeit zu stiften.

RMS: Da sind auch noch mehr bei Euch dabei. Wie ist Euer Team aufgestellt?

Patrick: Genau, wir sind fünf Gründer. Florian und ich machen die Geschäftsführung.

Florian: Zwei Absolventen der Wirtschaftsinformatik von der Uni Mannheim, Dominik Kantner und Peter Macherey sowie ein Student des Wirtschaftsingenieurwesens von der TU Darmstadt, Tristan Reifert. Dominik und Peter sind spezialisiert auf die Logik, das Backend unserer Applikation. Tristan kümmert sich um die ganze Oberflächenthematik und deren Design.

Patrick: Tristan baut die Oberfläche und die anderen Zwei füllen das dann mit Leben. Außerdem beschäftigen wir einen Werkstudenten. Er ist ebenso Wirtschaftsinformatiker aus Darmstadt mit Wurzeln in Bangladesh.

RMS: Was ist Euer Produkt?

Patrick: gastromatic ist die online Personalplanungssoftware für die Gastronomie! Wir gehen davon aus, dass gastromatic der Standard wird, mit dem Gastronomen ihren Personaleinsatz in Zukunft planen werden.

Darstellung und Funktionsweise verlangten nach mehr Entwicklung und damit nach mehr Ressourcen, Zeit und Geld. Das war der Punkt, an dem wir die Entwicklung einfroren, um uns um eine Finanzierung zu kümmern.

RMS: Wie lange hat die Entwicklung der Software bis zur Inbetriebnahme gedauert?

Florian: Die ersten Prototypen waren nach zwei, drei Monaten fertig, also Ende letzten Jahres. Wir haben diese Versionen kontinuierlich verbessert. Wenn wir an größere Betriebe herangetreten sind, haben wir gemerkt – es reichte einfach noch nicht aus. Darstellung und Funktionsweise verlangten nach mehr Entwicklung und damit nach mehr Ressourcen, Zeit und Geld. Das war der Punkt, an dem wir die Entwicklung einfroren, um uns um eine Finanzierung zu kümmern. Wir begannen mit der Entwicklung von gastromatic, in seiner heutigen Reife, im August dieses Jahres. Mit der Programmierung haben wir da wieder bei „Null“ angefangen.

Patrick: Genau, jedoch stand zu dem Zeitpunkt bereits das gesamte Konzept. Das hatten wir in den Monaten davor entwickelt. Wir hatten bereits vorab ein grafisches Layout und das Pflichtenheft festgelegt. Wir mussten das praktisch nur noch umsetzen. Das Programmieren hat von da an drei Monate gedauert und das Produkt kann sich jetzt echt sehen lassen

RMS: Arbeitet ihr mit Projektmanagementtechniken wie SCRUM? Wie diszipliniert seid ihr zur Sache gegangen?

Florian: Mit dem Bezug unseres Büros haben wir die SCRUM-Methode eingeführt. Und haben das auch bis heute konsequent durchgesetzt.

Patrick: Absolute Disziplin, ja. Jeder Einzelne von uns ist durch die Universität trainiert. Schon da wurden präzise Ziele gesetzt, und somit erreichen wir unsere eigenen auch immer. Wir haben als Tool dafür Trello genutzt. Für uns ist es Kommunikations- und Organisationsplattform.

RMS: Ihr firmiert als GmbH. Habt ihr da Tipps, das Stammkapital zu erringen, Investoren zu finden, für andere StartUp-Gründer?

Patrick: Ich empfehle allen, die noch an der Uni sind und noch studieren, zu probieren, das EXIST-Stipendium vom Bund zu bekommen. Das ist einfach geschenktes Geld. Investoren beteiligen sich anteilig. Man kann sich gegen Zinsen Geld leihen, z.B. bei der KFW.

RMS: Wie rekrutiert ihr neue Mitarbeiter/-innen? Wie wünscht ihr euch diese Leute? Was ist euch an den Personen, die ihr sucht, wichtig?

Patrick: Für mich ist das Oberste bei einer Person, dass sie gut organisiert ist und sie muss diszipliniert sein. Kommunikationsaspekte kommen für mich danach.

RMS: Was ist für euch euer StartUp, gastromatic oder die vertical cloud solution GmbH?

Patrick: Unser StartUp, unser Unternehmen, ist die vertical cloud solution GmbH. Da wir gerade Vollzeit gastromatic entwickeln, ist für uns im Kopf und vom Gefühl her gastromatic derzeit unser StartUp.

RMS: Warum habt ihr euch nicht für eine Firmierung als AG entschieden? Andere StartUps gingen diesen Schritt, z.B. flinc.

Patrick: Unser erster Anspruch war, dass wir eine beschränkte Haftung haben. Dafür bietet sich natürlich die GmbH an. Über eine AG haben wir gar nicht nachgedacht.

Florian: Das hängt auch mit unserer Geschichte zusammen, relativ schnell eine UG gegründet zu haben. Durch den Einstieg der Investoren war die UG aber nicht mehr ausreichend. Der Schritt, zusammen mit Investoreneinstiegen, eine Umfirmierung zur GmbH zu vollziehen, war da naheliegend. Mit der Anhebung des Stammkapitals war für uns die Sache erledigt.

Ich glaube, das ist heutzutage extrem schwierig, dass man Leute findet, die alle zusammen für ein Ziel kämpfen.

RMS: Wenn ihr eure ersten Tage einmal Revue passieren lasst, in der Zeit, wo eine Tatsache der anderen folgte, was ist das Geilste, woran ihr euch da erinnern könnt?

Patrick: Es gibt mehrere Stadien, über die ich sage, dass sie cool waren. Zum Ersten schon die Geburt der Idee „gastromatic“. Mein größtes Highlight war, als wir alle im Team beschlossen haben, dass wir jetzt und in Zukunft zusammen für die vertical cloud solution GmbH arbeiten. Dass wir uns alle einem Ziel verpflichten. Ich glaube, das ist heutzutage extrem schwierig, dass man Leute findet, die alle zusammen für ein Ziel kämpfen. Denn es ist so, dass der Weg in eine etablierte Firma für einen gut ausgebildeten Studenten ein ganz einfacher ist. Der deutschen Wirtschaft geht es ganz gut, es gibt viele Angebote. Es zu schaffen, die Leute zu überzeugen, die anfangs einen konservativen Weg einschlagen wollten, unsere Entwickler, zum risikoreicheren Weg zu überzeugen, ist für mich das Highlight, wenn ich jetzt zurückblicke. Diese Überzeugung aufzubauen, war einer der größten Schritte, wenn ich ans vergangene letzte Jahr denke. Das wertvollste bei einer Unternehmung sind die Menschen dahinter. Das ist unsere Firmenphilosophie und der größte Wert, den wir seither geschaffen haben.

RMS: Was war der frustrierendste Augenblick?

Patrick: Als der Kühlschrank kaputt ging. (alle lachen)

Florian: Der Entwicklungsprozess hat seine Höhen und Tiefen. Als unsere Software einmal so wirkte, dass sie ready sei aber wir uns eingestehen mussten, dass es noch nicht rund lief. Das Kundenfeedback, von den schon angesprochenen größeren Häusern, zwang uns zur Läuterung. Diese Einsicht, dass so gut wie alles neu erstellt werden musste, war hart.

RMS: Was hielt euch dazu an, weiterzumachen?

Florian: Vor allem, dass wir wussten; okay, das lief falsch, aber jetzt wissen wir, wie es richtig geht. KnowHow und Kontakte aus den Anfängen hatten wir zu genüge gesammelt. Auf die Erfahrungswerte mussten wir einfach aufbauen.

Patrick: Auf meinem Horizont war es nie aufzuhören. Dass wäre wie bei einem 100m Sprint zu sagen, ich höre nach 20 auf, nur weil ich nicht Erster bin.

Florian: Auch dem Team damals mitzuteilen, dass deren mehre Monate tragende Arbeit quasi umsonst war, davor hatten wir Schiss.

RMS: Wie sieht es jetzt gerade bei euch aus?

Patrick: Seit Anfang November gibt es unser verkaufsfähiges Produkt. Momentan wandeln wir unsere Pilotkunden, die seit letztem Jahr gastromatic getestet haben, um in zahlende Kunden. Zudem läuft der Vertrieb über alle unsere Kanäle auf Hochtouren.

Florian: Der aktuelle Stand ist das aktive Angehen der Kaltakquise und der Ausbau unserer Vertriebskanäle

Patrick: Wir haben eine vollständig cloudbasierte Lösung und wissen, dass es in unserem Segment einen großen customer pain gibt. Und wir wissen, dass unser gastromatic die beste Schmerztablette für sie ist.

RMS: Wo seht ihr euch in 3-5 Jahren?

Patrick: Ich glaube, dass bis dahin die vertical cloud solution noch weitere Produkte herausgebracht haben wird. Das entspricht auch unserer Philosophie. Wir machen cloudbasierte Webanwendungen und das erste Produkt ist gastromatic. Wir wollen uns noch weiter in Richtung Personalplanung vertiefen; Hotels, Caterer etc. Mein Ziel ist, dass unsere Kunden einen vollen Nutzen von uns haben, dass sie zufrieden sind und gerne bei uns bleiben.

RMS: …und damit noch viel von dem Schmerz heilen, der dort ist, und den man ja auch nachvollziehen kann. In Bezug zur Open Culture; stackshare.com ist eine neue Website, auf der bekannte StartUps ihre verwendeten Tools und Services veröffentlichen. Wärt ihr interessiert, eure Techniken dort auch darzulegen, oder behandelt ihr das Thema lieber verdeckt?

Tristan und Peter: Wir haben einen typischen MEAN Stack.

RMS: Vielen Dank für das Interview.


 

Das Interview führte Daniel Schindler von clickpass web communications (Darmstadt) am 12.11.2014.