Kolter_kleinHeute haben wir für Euch einen waschechten Hessen im Interview, der mit seinem Online-Shop www.mykolter.de die Bezeichnung Kolter für (Couch-)Decken auch im Rest von Deutschland bekannt machen möchte.


RMS: Bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Kolter Musterung Christoph SeippIch bin Christoph Seipp, 30 Jahre alt, gebürtig aus Lich, jetzt wohnhaft im schönen Gießen. Ich habe in Friedberg Logistik und in Fulda Internationales Management studiert.
Ich bin selbstständig seit März 2011 im Bereich Coaching und Training und meine neueste Gründung ist Kolter, www.mykolter.de.

Kolter entwirft in Hessen, fertigt in Deutschland und verkauft echte Kolter (Decken) von echten Hessen an echte Hessen und die, die es werden wollen (oder sollen) in der ganzen Welt.

RMS: Wie kam es zur Gründung von Deinem Startup?

„Gebbe ma de Kolter!“ sagte ich vor ca. 5 Jahren zu meiner damaligen Freundin, weil ich fror und einen Kolter – eine Couch Decke – von ihr haben wollte. Sie, nicht-Hessin, wusste nicht, was ein Kolter ist und so war die Idee zum ersten Mal da, Kolter unter dem Namen Kolter bekannt zu machen. Mein Ziel ist es, dass Kolter in den Köpfen von ganz Deutschland verankert wird. Kolter steht für die Werte Wärme, Liebe, Gemeinschaft, aber auch für Freiheit, Abenteuer und Draußen sein.

RMS: Wie hast Du die Finanzierung gestemmt?

Die Finanzierung erfolgte zum größten Teil aus meinem Ersparten. Darüber hinaus habe ich 2013 ein Crowdfunding gestartet und damit gut 7.000 € gesammelt, um damit meine erste Produktionscharge von 150 Koltern zu finanzieren.

RMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Du bisher bei der Gründung und dem Aufbau des Startups überwinden musstet?

Am aufwendigsten war es für mich als „BWLer“, der noch nie einen Webstuhl in echt gesehen hatte, erstmal heraus zu finden, wer in Deutschland überhaupt noch solche Stücke fertigt.

Nachdem das erschreckender Weise nur noch 2-3 Betriebe waren, war das nächste Thema, zu verstehen, was man technisch weben kann und was nicht – und so kam ich von der ersten Idee, über Werksbesichtigungen, über das Kennenlernen der Solmser Künstlerin Lea Weber, die die erste Kolter Designerin der Welt ist, Markenanmeldung und Co. dazu, die ersten Kolter im Crowdfunding auf Startnext zu verkaufen.

RMS: Mit wie vielen Leuten arbeitet Ihr mittlerweile am Startup?

Ich bin als Gründer zwar alleiniger Eigentümer aber Kolter ist seit Anfang an ein Familienunternehmen. Meine Schwester, auch M.A. Unternehmensführung von der THM Gießen, ist seit Anfang an im Bereich Marketing dabei und neben ihr haben inzwischen 5 Studenten der THM Gießen bei mir Praktikum gemacht oder ihre Abschlussarbeit bei mir geschrieben.

RMS: Was macht Ihr, um den Bekanntheitsgrad von Kolter weiter auszubauen?

Grundsätzlich haben wir einfach die geilsten Kolter der Welt und darum finden die Hessen das auch voll gut und reden darüber 😉

Da es am Ende aber auch „nur“ ein Kolter ist – eine Decke, zum sich wärmen, drauf sitzen und so weiter – dachte ich mir von Beginn an, dass das besondere an Kolter nicht nur Qualität und Made in Germany sein darf sondern auch die Geschichte dahinter. Kolter erzählt Geschichten – in Lesungen, in Videos oder auch in Events, wie zum Beispiel dem Versuch, am 31.05. in Gießen den 2277 Meter langen Weltrekord der längsten Picknick-Kolter-Linie zu brechen.

RMS: Wo möchtest Du in den nächsten 3-5 Jahren mit Deinem Unternehmen stehen?

Kolter soll in 3-5 Jahren die erste Marke für Couchdecken und Co. sein, die einem einfällt, wenn man an sowas denkt. – und wenn man kurz überlegt: Welche Marken im Bereich Heimtextil kennt man? – Das ist ein Markt, in dem Marken bisher wenig Rolle spielten – Kolter ändert das, weil es im Kern keine Heimtextilie ist sondern ein Stück Heimat, eine Geschichte, eine Erinnerung und ein tolles Geschenk, welches man auch fast jeden Tag benutzen wird.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ist die Region eine gute Gegend für Startups?

Ich kann es nicht für alle Branchen sagen aber für Kolter ist die Region zum einen schwierig, weil mein Weg, ein Crowdfunding zu machen, sehr holprig war, weil fast keiner von hier, im Gegensatz zu Berlin, Hamburg und Leipzig auf Startnext ist.

Auf der anderen Seite, konnte Kolter ausschließlich hier entstehen, weil Kolter hier „de heim is“, wie der Hesse sagt. – Berliner hätten das gar nicht gecheckt.

Was hier aber auf jeden Fall noch fehlt ist die Szene und Infrastruktur – Coworking Spaces heißen hier noch Gemeinschaftsbüros, werden meist von Freiberuflern, wie Ingenieuren oder Beratern genutzt und haben wenig technische Infrastruktur zu bieten. Da muss sich noch was tun, damit man in einen inspirierenden Austausch kommt. Gießen hat zum Beispiel 30.000 Studenten – da müssten einige Gründungen bei rauskommen… aber wahrnehmen tut man die nicht wirklich oft.

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest? 

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ – und die Betonung liegt auf dem MACHEN. Wobei es wichtiger ist, die RICHTIGEN Dinge zu machen, als alle Dinge RICHTIG zu machen. Ich habe zum Beispiel noch nie einen Monatsabschluss gemacht und ich belaste mein Gehirn auch nicht damit, was man dazu wissen „muss oder sollte“ – ich habe einen Steuerberater! – Der weiß es besser und ist schneller als ich. In der Zeit kann ich mich um meine Gründung kümmern…  – Ich denke, als Gründer beschreitet man Neuland, einen Weg, den genau so, wie man selbst, noch nie einer gegangen ist. Sicher gibt es Regeln und Best Practices aber Deine Gründung gab es noch nie, darum lass Dir nicht zu viel von zu vielen erzählen und MACH, was Dein Bauch Dir sagt – und wenn er sagt, dass Du auf einem 100 % gesättigten Markt Decken verkaufen sollst, weil Du an die Idee glaubst, dann MACH es! MACH es gut, sehr gut, oder besser als andere aber vor allem MACH ES!

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