Im deutschlandweiten Wettbewerb konkurrieren Bundesländer um innovative Unternehmen, die Arbeitsplätze sichern, Steuern einbringen und die eigenen Regionen attraktiv machen. Neben traditionellen mittelständischen Unternehmen werden in diesem Wettbewerb Startups mit neuartigen Produkten und Geschäftsmodellen immer wichtiger. Hier steht Hessen derzeit nicht gut da.

Ein Startup braucht Geld um sein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln und ausreichend Kunden zu akquirieren. Um diese Zeit finanziell zu überbrücken, steht man als Gründer vor der Wahl zwischen privaten Geldgebern und öffentlichen Fördermitteln.
Wer in Deutschland einmal probiert hat, Venture Capital einzusammeln, wird schnell feststellen, dass ohne fertiges Produkt oder einen erfolgreichen Serien-Gründer im Team nicht viel zu holen ist. Öffentliche Fördergelder hingegen haben den Reiz, dass ihre Motivation in erster Linie darin besteht, einen Wirtschaftsstandort attraktiv zu machen und nicht, den besten Return on Investment herauszuschlagen.
Also erstmal zum Bund und EXIST beantragen – eine feine Sache. Aber selbst den besten passiert es, dort eine Absage zu erhalten oder gar nicht erst in die Rahmenbedingungen zu passen.

Für alle anderen gibt es Förderprogramme der Länder, um Unternehmensgründungen zu unterstützen. In Hessen finden sich diese unter der vielversprechenden Domain „innovationsfoerderung-hessen.de“: LOEWE, MPP oder der Innovations-Wettbewerb „Nachhaltigkeit und Wirtschaft“.

Startups sollten sich von diesen hessischen Programmen jedoch fern halten und sich die Mühe sparen, sich in die Thematik einzuarbeiten. Denn in der hessischen Förderlandschaft versteht man das Wesen von Startups nicht. Alle Programme haben gemeinsam:

1. Eine strikte Trennung zwischen dem Unternehmen und einem zu fördernden „Projekt“. Das ergibt im Startup-Umfeld keinen Sinn, da Unternehmen, Projekt und Produkt eins sind – und das ist auch gut so.

2. Die Projekt-Kosten werden mit maximal 49 % bezuschusst, was bei einem Startup mangels laufender Einnahmen einen Investor zur Co-Finanzierung erfordert. Hier hat man das Problem, dass im Zweifel beide sagen: ich mache nur mit, wenn die Zusage des anderen vorliegt.

3. Für die Entwicklung im Projekt werden in der Regel Partner aus dem akademischen Bereich oder der Wirtschaft benötigt, was die Produktentwicklung lähmt, Interessenkonflikte hervorrufen kann und am Ende die Frage der Verwertungsrechte am Projekt-Ergebnis aufwirft.

4. Erfolg wird bestraft, denn das Projekt darf während der Förderzeit keine Umsätze generieren, da ggf. entstehende Umsätze von der Förderung abgezogen werden. Nicht gerade lean.

Auch die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) greift Startups nicht unter die Arme und investiert nach Aussage eines Mitarbeiters nicht in der Seed-Phase, sonder nur in etablierte Geschäftsmodelle.

Andere Bundesländer sind hier weiter und bieten attraktive Programme, die tatsächlich dem Spirit eines Startups gerecht werden. Darunter zählt zum Beispiel

  • das Hamburger InnoRampUp,
  • das Gründerstipendium der Gründerwerkstatt der Beuth-Hochschule in Berlin,
  • Wagniskapital für Startups von der Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz.

Daher, geliebtes Hessen, pass auf dass du nicht die Innovation an deinen Hochschulen züchtest und dann ziehen lässt. Denn auch wenn an Hessen kein Weg vorbei führen mag: Entrepreneure sind Nomaden.

Simon Warta ist Co-Founder und CEO des Wiesbadener Startups Kullo, das derzeit für ein zwölfmonatiges Stipendium in Berlin arbeitet.

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