coffee-circleIn der Berliner Zentrale von Coffee Circle, direkt am Ufer der Spree, trafen wir uns mit dem Begründer und einem der beiden Geschäftsführer von Coffee Circle, Robert Rudnick, um einmal nachzufragen, was diesen Kaffeehändler von anderen Unternehmen unterscheidet und welche Projekte überhaupt nachvollziehbar durchgeführt sind.

Mit diesem Beitrag möchten wir Euch einen Einblick in das Thema „Social Entrepreneurship“, oder auch „Sozialunternehmertum“, bieten.

RMS: Herr Rudnick, das relativ junge Unternehmen Coffee Circle macht von sich Reden, weil Sie angeben, Sie würden einen sozialen Kaffeehandel betreiben. Was verstehen Sie unter sozialem Handel?

Rudnick: Im Prinzip kaufen wir den Kleinbauern in ihren Kooperativen nicht nur den Kaffee zu einem fairen Preis ab, sondern wir bewegen obendrein noch etwas vor Ort. Je nachdem, was dringlich erforderlich ist, leisten wir Hilfe beim Bau von Brunnen, statten Schulen aus, unterstützen mit verschiedenen Maßnahmen medizinische Einrichtungen und tragen so dazu bei, dass die Menschen dort besser und gesünder leben können: Hilfe zur Selbsthilfe.

RMS: Alles schön und gut, aber dafür gibt es bereits Organisationen, die im Handel mit Kaffee, Kakao, Zucker und anderen Produkten für eine faire Entlohnung der Plantagenbesitzer und ihrer Arbeitskräfte sorgen. Werden die Handel fair abgeschlossen, wird dies zertifiziert und ist so durch inzwischen sehr bekannte Logos auf den Verpackungen deutlich erkennbar. Auch im Bereich Umweltschutz gibt es ein vergleichbares Zertifikat. Warum gehen Sie einen anderen Weg und schließen sich nicht diesen Organisationen an?

Rudnick: Sicher wäre es für uns einfacher gewesen bei einem dieser bekannten Label eine Zertifizierung zu erhalten um dann das Logo auf unseren Produkten anbringen zu können. Selbst die gut gemeinten Zertifikate sind in unseren Augen aber nicht zeitgemäß. Coffee Circle will nicht nur einen fairen Preis für den Rohkaffee bezahlen und auf einen nachhaltigen Anbau achten. Wir wollen wissen, wofür unsere Spendengelder investiert werden. Und wo. Wir möchten, dass annähernd 100% der Gelder auch vor Ort bei den Kaffeebauern investiert werden. Das leistet keines der Siegel des Fairen Handels. Deshalb möchten wir vormachen, dass diese Art der Entwicklungshilfe möglich ist. Und nun liegt es an unseren Kunden, zu beweisen, dass unser Ansatz auch gewollt wird.

RMS: Warum haben Sie sich ausgerechnet Äthiopien ausgesucht?

Rudnick: Äthiopien ist nach dem Bürgerkrieg und nach Dürrekatastrophen ein Land, in dem Hilfe dringend notwendig ist. Zudem wird hier Kaffee so angebaut, wie wir uns nachhaltigen Kaffeeanbau vorstellen. Es werden keine Plantagen betrieben, wie es im Allgemeinen der Fall ist. Hier liegen die Kaffeepflanzen versteckt im Busch, werden nicht chemisch behandelt und wachsen im Prinzip wild. Das wirkt sich natürlich auch auf den Geschmack und das Kaffeearoma aus, denn die Kaffeekirschen brauchen etwas länger um ihre volle Reife zu erlangen. Das wird aber mit einem unvergleichlich kräftigen Aroma und einem intensiven Kaffeegeschmack belohnt. Dies ist schon seit Jahrtausenden der Fall, denn Äthiopien ist das Heimatland des Kaffees.

RMS: Planen Sie zurzeit Ihre Aktivitäten auch auf andere Länder auszudehnen?

Rudnick: Im Moment sind wir noch nicht so weit, wie wir gerne wären. Dazu sind in Äthiopien einfach zu viele Brennpunkte, an denen wir helfen wollen. Es bringt nichts das erwirtschaftete und gespendete Geld nun auf eines oder mehrere andere Länder aufzuteilen. Das würde finanzielle und personelle Kräfte teilen und wichtige Bereiche vernachlässigen, die uns am Herzen liegen.

RMS: Wie können Käufer Ihres Kaffees sehen, was mit dem einen Euro passiert, den Sie angeblich in Ihre sozialen Projekte stecken?

Rudnick: Zuerst einmal stecken wir das erwirtschaftete Geld nicht „angeblich“ in die dringenden Aufgaben vor Ort. Wir machen das wirklich und dies ist für jedermann auf unserer Websete nachvollziehbar. Planung, Finanzierungsstand und Fortschritt jedes einzelnen Vorhabens sind transparent. Unsere Webseite ist ständig auf dem aktuellen Stand der Dinge und auch Sie können sich unter http://www.coffeecircle.com/entwicklungsprojekte von unserer Arbeit überzeugen und jedes einzelne Projekt von der Planung bis zur Verwirklichung verfolgen.

RMS: Vielen Dank für das Gespräch!

Wir haben uns für das offene Gespräch bei Robert Rudnick natürlich bedankt und uns die empfohlene Web-Präsenz gründlich angesehen. Danach blieb uns nur noch übrig uns im Geiste zu verneigen. Natürlich will Coffee Circle mit seinem Kaffee Geld verdienen, was das gute Recht eines jeden Unternehmers ist. Wir mussten aber auch feststellen, es gibt in Deutschland offensichtlich Unternehmer, die über reines Profitdenken hinaus sich obendrein für soziale Projekte einsetzen. So wie im Beispiel von Coffee Circle, wo aus freien Stücken neben einem fairen Preis für den Rohkaffee auch mit wichtigen sozialen Projekten tausenden von Menschen im Anbaugebiet geholfen wird.

 

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