Bill Gates in seinen frühen Tagen, Foto von Martin Zwilling
Bill Gates in seinen frühen Tagen, Foto von Martin Zwilling

Dies ist ein Beitrag von Martin Zwilling, der ursprünglich auf seinem Blog Startup Professional Musings erschienen ist. Mit dem Einverständnis von Martin veröffentlichen wir ihn hier für Euch in einer deutschsprachigen Version. Der Originalbeitrag ist am 8. April 2010 erschienen.

Von Zeit zu Zeit lasse ich in Gesprächen den Kommentar fallen „Ich kannte Bill Gates, als er noch ein normaler Typ war“. Ich weiß, dass mich das etwas betagt dastehen lässt, aber es zeigt auch, dass ich mich schon sehr lange mit Startups beschäftige. Die Wahrheit ist, dass ich damals mit Microsoft nur von meinem „sicheren Ufer“ IBM aus zusammengearbeitet habe, in den frühen Tagen des IBM PC.

Damals konnte ich mir nicht vorstellen, das ein Startup zum Erfolg werden würde, dass zunächst „Traf-O-Data“ hieß, und rohe Verkehrsdaten zu Berichten aufbereitete, später dann seinen Namen in Microsoft änderte und Basic Interpreter an Computer-Hersteller verkaufte. Rückblickend betrachtet hat Bill Gates in Startup-Zeiten eine Menge Dinge richtig gemacht, nach denen ich auch heute noch in aufstrebenden Unternehmen suche:

  1. Baue ein starkes Team auf. Meiner Meinung nach wäre Bill Gates ohne seine Partner Steve Ballmer und Paul Allen gescheitert. Bill Gates hat die technische Show abgezogen, aber Steve Ballmer ließ ihn nie vergessen, wie wichtig die Marketing- und Business-Seite der Gleichung sind. Steve kam von Procter & Gamble Co., wo er das Marketing für die Duncan Hines‘ Moist & Easy cakes schmiss – somit waren er und Bill eine perfekte Mischung, sozusagen. Paul Allen war der Visionär, mit einem festen Glauben an grafische Benutzeroberflächen und die Maus, als der Xerox Star noch die reinste Flickschusterei war.
  2. Verkaufe eine Vision und eine Geschäftsgelegenheit. Ihre Vision war eine Welt der „persönlichen“ Computer, was bedeutet, das jeder Mensch auf der Welt eine Geschäftsgelegenheit für Microsoft darstellte. Wir bei IBM haben das überhaupt nicht verstanden, und bestanden sogar auf die Bezeichnung unserer IBM-Rechner als „Workstation“, was im Nachhinein betrachtet eher nach „Arbeit“ für eine Reihe von Robotern an ihren „Stationen“ klingt. Viele meiner Freunde bei IBM konnten sich nicht vorstellen, dass jemand Geld für solche technischen Spielzeuge ausgeben würde.
  3. Baue eine Community von Unterstützern auf. Ein Startup, egal wie klug die Gründer sind und wie gut es finanziert ist, kann nicht alles alleine erreichen. Man muss tausende Partner überzeugen, dass sie durch eine Zusammenarbeit erfolgreich werden können, wenn sie nur an Dich glauben. Das ist echtes virales Marketing. Microsoft verbrachte eine Menge Zeit und Geld mit Software-Entwicklern für Anwendungsentwicklung und mit Hardware-Herstellern, um mehrere PC-Plattformen zu unterstützen. IBM wollte die ganze Arbeit alleine erledigen, weil es der einzige Weg ist den sie kennen, um Qualität zu liefern. Qualität ist eine gute Sache, aber sie ist nicht alles.
  4. Marketing, Marketing, Marketing. Vor Microsoft wurden Computer nie „vermarktet.“ Große Unternehmen engagierten die großen Mainframe-Anbieter für eine Reihe von Benchmarks und technische Auswertungen und entschieden sich dann für die beste technische Lösung. Ich selbst verbrachte viele Nächte und Wochenenden über eine Computer-Konsole gekrümmt, um die Abarbeitung von Arbeitsschritten noch ein bisschen schneller laufen zu lassen. Heute entscheiden sich CIOs, so wie auch Endverbraucher, auf Basis des Images, das von den Marketing-Abteilungen der Hersteller geschaffen wurde, für ihren nächsten Computer. IBM hat in dieser Hinsicht sehr viel von Microsoft gelernt.

Es ist erstaunlich, wie sich die Dinge mit der Zeit verändern. Jetzt ist Microsoft der große Gorilla, und ich bin ein kleines Startup, das mit Startups arbeitet. Ich denke, man könnte jetzt sagen, dass ich über eine „gut abgerundete“ Geschäftserfahrung verfüge. Ich vermute, dass Steve Ballmer sich die damaligen Startup-Probleme zurückwünscht, anstatt sich mit den Vorurteilen gegen große Unternehmen wie Microsoft herumzuschlagen.

Es gibt eine Menge mehr zur Geschichte von Microsoft zu sagen, als ich hier Platz zur Verfügung habe. In der Tat gibt es einige gute Bücher über Bill Gates und Microsoft. Einer meiner Favoriten ist „Hard Drive: Bill Gates and the Making of the Microsoft Empire“. Auf Seiten von IBM ist die Botschaft nach vielen Schmerzen und Kämpfen angekommen, nachdem eine Änderung der Unternehmenskultur vollzogen wurde. Siehe „Who Says Elefanten Can’t Dance?“  von Louis V. Gerstner, Jr. für diese Geschichte.

In Erinnerungen schwelgen macht so viel Spaß. Wir alle beginnen wie normale Jungs. Aber für diejenigen von Euch, die diese Lektionen schon früh lernen, kann die Welt der Ultra-Milliardäre noch winken.

Marty Zwilling

Weitere Beiträge von Marty Zwilling:

Passende Literatur:

Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft (Affiliate)

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