Austin Johnson aus Alaska, Foto von Martin Zwilling
Austin Johnson aus Alaska, Foto von Martin Zwilling

Dies ist ein Beitrag von Martin Zwilling, der ursprünglich auf seinem Blog Startup Professional Musings erschienen ist. Mit dem Einverständnis von Martin veröffentlichen wir ihn hier für Euch in einer deutschsprachigen Version. Der Originalbeitrag ist am 2. November 2009 erschienen.

Ich bin gerade von einer Entrepreneurship-Konferenz in Anchorage, Alaska zurückgekehrt, die mein Freund Allan R. Johnston organisiert hat, um die Zusammenarbeit dort zu verbessern und neue Aktivitäten zu starten. Ich hatte angenommen, Alaska sei ein Paradies für Unternehmer, aufgrund der geschichtlichen Unabhängigkeit und der widrigen Umwelt dort. Doch von einer Unternehmerkultur konnte ich nicht viel vorfinden.

Vor ein paar Jahre half ich einmal einem Software-Geschäft in Vietnam. Dort war ganz offensichtlich, dass jeder ein Unternehmer ist. Von kleinen Kindern, die auf der Straße Schuhe putzen, bis hin zu Unternehmen, die zu Hunderten aus dem Boden sprießen, um den Weltmarkt zu erobern. Die Unternehmer-Kultur war überall spürbar.

Was ich in Alaska sah, war eine kleine Gruppe von guten Leuten, die darum kämpfen, eine Bewegung zu starten, um Missstände bei den Finanzierungsmöglichkeiten und der Ausbildung zu überwinden. Und das in einem Staat mit selbstgefälligen „Mitarbeitern“ der großen Ölgesellschaften, mit großen Haushaltsüberschüssen, aber auch Kultur- und Generationskonflikten.

Der krasse Unterschied zwischen diesen beiden Teilen der Welt hat mich darüber zum Nachdenken gebracht, was eigentlich die Treiber einer Unternehmer-Kultur sind. Zu den Gedanken, die mir dabei in den Sinn gekommen sind, gehören die folgenden:

  1. Der Schmerz muss groß genug sein. In Vietnam geht es um’s Überleben, mit einem durchschnittlichen Einkommen von weniger als $ 10.000 US-Dollar pro Jahr. Vielleicht haben es die Leute in Alaska ein bisschen komfortabler, trotz der rauen Umgebung, mit guten Jobs von ausländischen Arbeitgebern, und einer dicken Staatskasse. Wirkliche Veränderung geschieht nur dann, wenn der Schmerz groß genug ist.
  2. Ein Bildungssystem, das darauf abgestimmt ist, Unternehmer zu unterstützen. Ich hörte viele Diskussion auf der Konferenz von lokalen Wissenschaftlern, die erkannt haben, dass sie mehr tun und sich stärker beteiligen müssen. Universitäten, die Inkubatoren errichten, Forschungsgruppen, die ihre Arbeitsergebnisse kommerzialisieren, und gute Entrepreneurship-Vorlesungen können einen großen Unterschied machen. Eine finanzielle Grundbildung muss bereits im Kindergarten starten und allgegenwärtig sein.
  3. Innovative Möglichkeiten zur Verfügung haben. Alaska hat große Chancen durch ihre natürlichen Ressourcen, aber auch in vielen anderen Bereichen. Sie sollten die Erzeugung nachhaltiger Energien voranbringen, durch die Gezeiten, Sonne, Wind, Wasser und Geothermie. Die Gletscher und Gebirgsbäche sind eine große Quelle von klarem, sauberem Wasser. Die Möglichkeiten sind endlos.
  4. Eine robuste lokale Finanzinfrastruktur. Ich rede hier nicht von staatlichen Subventionen; sondern von Finanzinstituten mit der Bereitschaft Geld zu verleihen, von Venture-Capital-Organisationen, Business Angel-Gruppen und Private Equity. Alaska braucht mehr Stärke in diesen Bereichen, anstatt auf ausländische große Unternehmen zu setzen, und auch mehr Unterstützung von den Menschen, die dort erfolgreich waren und sich nun in den Ruhestand nach Arizona verzogen haben.
  5. Menschen die bereit sind, Menschen zu helfen. Auf der Konferenz in Alaska behandelte mein Vortrag das Thema Mentoring. Ich glaube, dass Mentoring in allen möglichen Bereichen hilfreich ist. Menschen die bereit sind zu helfen können etwa aktive Business Angels mit ihren Investitionen sein. Oder erfahrene Unternehmer, die an Hochschulen Business-Pläne beurteilen oder Kurse zu deren Erstellung geben. Aber auch Menschen, die Menschen für gemeinsame Anstrengungen zusammenbringen, so wie Allan es getan hat.
  6. Arbeit ist ein Lebensstil, nicht nur ein Job. Wahre Unternehmer tun, was sie lieben, und lieben, was sie tun. Erfolgreiche Menschen die tun, was sie lieben, sind die beste Inspiration für andere, und so werden neue Kulturen geboren.

Ich bin immer wieder beeindruckt von einzelnen leuchtenden Vorbildern. Ein gutes Zeichen für Alaska sind meine neuen Freunde, Tyler Arnold, ein echter Software-Outsourcing-Unternehmer im Alter von 17 und Austin Johnson, Alter 18 (auf dem Foto abgebildet), mit seinen großen Plänen. Sie sind mit finanzieller Unterstützung und Mentoring durch Freunde gesegnet, und ich zähle auf die schrittweise Übernahme der Führung durch ihre Generation.

Die Aufgabe, die ich Euch stellen möchte, ist es, Eure eigene Region einmal an diesen wichtigen Treibern einer unternehmerischen Kultur zu messen; aber auch Euren persönlichen Einsatz. Bist Du ein Treiber oder ein Dämpfer einer Unternehmer-Kultur? Was kannst dazu Du beitragen? Und was sind weitere wichtige Überlegungen für eine Unternehmer-Kultur? Ich bin sicher, ich habe ein paar wichtige Punkte übersehen, also lasst mich wissen, was Ihr denkt.

Marty Zwilling

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