Einst als Studentenprojekt gestartet, wurde die Geschäftsidee zu flinc im Mai 2010 in Darmstadt umgesetzt und stellt heute eine bequeme, schnelle und kostensparende Alternative zu herkömmlichen Verkehrsmitteln dar. Die für User kostenlose App führt Fahrer und Mitfahrer auf jeder Strecke ganz einfach und schnell zusammen. Per Web, SMS, App oder Navi lassen sich so Mitfahrgelegenheiten vereinbaren – ob für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder für den Wochenendausflug.

Der Mann hinter der Idee und Mitberünder Michael Hübl hat in seinen jungen Jahren als Gründer bereits mehrere Pitches gewonnen und Auszeichnungen erhalten, darunter den „Bitkom Urban Solutions Pitch“, „The Europas“-Award 2011, 
den Pioniergeist 2011
 und den “Best Presentation Award” (European Venture Summit) 2009 um nur einige zu nennen. Gerüstet mit einem eigenen PC entdeckte er mit 14 die Begeisterung für das Programmieren, eine Aufgabe die ihn immer noch sehr fasziniert, die er aber mittlerweile Teammitgliedern überlässt, die darin besser sind. Er selbst ist momentan zuständig für die Leitung der Produktentwicklung bei der flinc AG.

Im Interview erzählt Michael Hübl uns, wie er auf die Geschäftsidee kam, welche Stolpersteine es zu überwinden galt und welche Tipps er jungen Unternehmern bei der Herausforderung “eigenes Start-up” mit auf den Weg geben kann.

RMS: Hallo Michael. Wie entstand die Idee zu flinc & wie kam es zur Gründung?

Michael Hübl: Während meines Diplomstudiums in Media System Design an der Hochschule Darmstadt entstand das Uniprojekt „flinc – gemeinsam unterwegs“. Wir überlegten uns, wie man Mobilität effizienter, bequemer und  günstiger gestalten kann um Wartezeiten und ungenutze Plätze in Autos zu reduzieren. Das Projekt inspirierte mich anschließend zu meiner Diplomarbeit über „Dynamic Ridesharing Systems“ und nach der Diplomarbeit folgte dann im September 2009 die Entscheidung das Projekt als Geschäftsidee zusammen mit meinem Kommilitonen Benjamin Kirschner zu realisieren. Unsere Vision, die Mobilität entscheidend und nachhaltig zu verändern, war dabei die wesentliche Antriebsfeder.

RMS: Wie hast du dein Team gefunden?

Michael Hübl: Da die Geschäftsidee als ein Uniprojekt gestartet ist, hatte ich das Glück schon Leute aus dem Studium zu kennen, die ähnlich begeistert waren von der Idee. Neben dem Mitbegründer Benjamin Kirschner, sind noch 4 weitere Kommilitonen die ich seit dem Studium kenne im 17 köpfigen Team. Für die Geschäftsleitung zuständig ist neben Benjamin und mir noch Klaus Dibbern, erfahrener Entrepreneur und Business Angel den ich bei einem Pitch von der Initiative thinc! in Mannheim kennen gelernt habe. Nach einigen Monaten in denen er uns unterstützt hat, haben wir gemerkt dass wir sehr gut zueinander passen. Mit ihm haben wir einen erfahrenen Gründer gewonnen, der seit dem wertvolles unternehmerisches Wissen miteinbringt.

Das Team ist für mich der wichtigste Baustein des gesamten Projekts, der entscheidende Faktor der am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Somit bin ich anderen Mitgliedern auch schon mal quer durch Deutschland nachgereist um sie bei Events zu treffen und für meine Idee zu begeistern.

RMS: Wie waren die ersten Reaktionen als ihr flinc gründen wolltet?

Michael Hübl:„Das schafft ihr nie!“, das war eine Reaktion die wir oft gehört haben. Vor allem basierend auf der Begründung es sei viel zu teuer und kompliziert die großen Navihersteller für eine Kooperation zu gewinnen. Heute arbeiten wir unter anderem mit Navigon, eins der größten Navigationssysteme Deutschlands, zusammen. Aber es gab auch sehr positives Feedback und Leute die unsere Idee cool und erfolgsversprechend fanden. Das bestätigte uns auch, dass Bedarf nach unserem Produkt besteht.

RMS: Welche Ziele habt ihr langfristig?

Michael Hübl: Wir wollen eine echte Alternative schaffen zum jetzigen Angebot an Verkehrsmitteln. Die Leute sollen sich vor jeder Fahrt fragen: „Nehme ich die Bahn, den Bus oder flinc?“ Unsere Mission ist es ein neues Verkehrsmittel zu schaffen, das mich einfacher, schneller und günstiger von A nach B bringt als die jetzigen Transportmöglichkeiten durch eine intelligente Mobilitätslösung, in dem leere Sitzplätze in Autos innerhalb von Sekunden besetzt werden. Im Rhein-Main Gebiet funktioniert es schon ganz gut, wir haben eine sehr gute Technologie geschaffen dafür, doch wir wollen den Bekanntheitsgrad natürlich in ganz Deutschland steigern denn damit steht oder fällt im Endeffekt alles.

RMS: Wie wollt ihr euren Bekanntheitsgrad steigern?

Michael Hübl: Wir arbeiten viel mit Firmen zusammen. Zu unseren größten Kunden gehören unter anderem Bosch, deren Mitarbeitern flinc eine bequeme Lösung für die tägliche Fahrt zwischen Arbeit und Zu Hause anbietet. Eine Alternative die viel Potential bietet wenn man bedenkt, dass 30 Mio. deutsche täglich zur Arbeit pendeln und jeder zweite allein im eigenen Auto sitzt. Probleme wie nicht genügend Parkplätze werden mit flinc verbessert. Zudem funktioniert es auch bei flexiblen Arbeitszeiten und auf jeder Strecke-Benzinkosten werden somit gespart, der CO2 Ausstoß reduziert und die gemeinsamen Fahrten  bauen ein Vertrauensnetzwerk zwischen Fahrern und Mitfahrern eines Unternehmens auf. Flinc wurde deswegen bereits als “die neue Kaffeemaschine” im Unternehmen bezeichnet, der Ort an dem die wichtigsten Neuigkeiten unter den Mitarbeitern ausgetauscht werden.

RMS: Welche Stolpersteine galt es bisher zu überwinden und welche Fehler habt ihr am Anfang gemacht?

Michael Hübl: Stolpersteine gibt es generell immer. Das Wichtigste, vor allem am Anfang ist es, ein gutes Team zusammen zu stellen. Ich hole nur die Leute mit an Bord, die besser sind als ich, die Spezialisten sind auf ihrem Gebiet und die zudem auch ins Team passen. Teamgeist ist sehr wichtig!

Am Anfang haben wir den Fehler gemaht uns zu sehr auf die Finanzierung zu konzentrieren anstatt auf das Produkt. Dabei mussten wir mit der Zeit feststellen, dass das der falsche Weg war, denn das Geld kommt, sobald man ein solides Team und eine gute Idee hat.

RMS: Wie habt ihr die Finanzierung dann im Endeffekt gestemmt?

Michael Hübl: Für die Gründung der flinc AG und die Bezahlung der ersten Mitarbeiter hatten wir nur eigene Mittel zur Verfügung sowie Geld von Familie & Freunden. Angefangen an der Idee zu arbeiten haben wir im September 2009, die Gründung folgte etwa ein Jahr später im Mai 2010 und noch mal ein halbes Jahr später im Dezember 2010 erhielten wir dann das erste Geld von Venture Capital Gebern und Business Angel. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir uns komplett selbstfinanziert.

RMS: Welche Tipps kannst du anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Michael Hübl: Gerade am Anfang ist sehr wichtig viel Rauszugehen, Menschen zu treffen, sich mit anderen Gründern auszutauschen. Seine Ideen geheim zu halten halte ich für den falschen Weg. Feedback ist sehr wichtig und dient als erster wichtiger Anhaltspunkt ob eine Idee Potential hat. Zudem entstehen dadurch wertvolle Kontakte. Gute Ideen kommen nicht einfach so, genau so wenig wie gute Leute, sie sind das Produkt harter Arbeit.

Hat man erst mal eine Idee von der man überzeugt und begeistert ist, zählt Durchhaltevermögen. Anstatt Angst vor Fehlern zu haben, die man sowieso am Anfang machen wird, sollte man Herausforderungen annehmen, Chancen sehen statt Risiken.

RMS: Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Michael und weiterhin viel Erfolg bei deiner Mission.

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