Das Startup FastBill, bekannt u.a. durch die FastBill Startup Tour, lag lange Zeit außerhalb unseres Blickfeldes. Schließlich liegt der Verwaltungssitz der jungen Gründer in Essen. Es stellte sich dann aber heraus, dass das Team über ganz Deutschland (und mittlerweile Österreich) verteilt arbeitet und sich ihr wichtigster Büro-Standort in Offenbach befindet.

Daher freue ich mich, FastBill als Rhein-Main Startup bezeichnen und Euch ein Interview mit dem Geschäftsführer Christian Häfner präsentieren zu können.

RMS: Hallo Christian. Bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Christian Häfner: Hallo, ich bin Christian und bei FastBill verantwortlich für die Vermarktung. Mein Ziel ist es, unsere Vision des papierlosen und bürolosen Arbeitens sowie die Mehrwerte des Produktes möglichst klar und deutlich in die Welt zu tragen.

RMS: Wie kam es zur Gründung von FastBill?

Christian Häfner: Die Idee hinter FastBill ist es, ein unbequemes Thema wie den lästigen Papierkram im Arbeitsalltag möglichst einfach zu gestalten. Da das Gründerteam hinter FastBill aus dem Hosting- und Agentur-Umfeld stammte, waren die typischen Probleme recht gut bekannt: Das monatliche Rechnungen schreiben kostet viel Zeit und erfordert umfangreiche formale Kenntnisse. Häufig zahlen Kunden nicht pünktlich und die Liquidität wird gefährdet. Meist sind es kleine Unternehmen wie Gründer, Freiberufler und Selbständige, die sich solch negative Auswirkungen nicht leisten können. Darüber hinaus möchte jeder Unternehmer möglichst professionell und souverän gegenüber Kunden, Partnern und dem Steuerberater auftreten. Neben der einfachen Handhabung und der Beschleunigung von Arbeitsabläufen fehlte vor allem der „Wohlfühlfaktor“ bei bisherigen Lösungen. Denn komplexe und teure Buchhaltungs- und CRM-Systeme gibt es und gab es auch vor einigen Jahren schon mehr als genug. Deshalb streben wir bei FastBill danach von Anfang an ein eine schlanke, flexible und einfache Lösung zu schaffen, die konkret auf die Bedürfnisse und Wünsche kleiner Unternehmen eingeht, auch ohne Schulung oder Experten im Unternehmen, und das zu einem fairen Preis.

RMS: Welche Vorzüge bietet Euer Angebot gegenüber anderer Faktura-Software?

Christian Häfner: Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Faktoren, die FastBill von anderen Produkten und Unternehmen unterscheidet. Zum einen unser Team, das die bedingungslose Überzeugung vom eigenen Produkt teilt und sich fachlich, aber auch persönlich gut ergänzt. Es macht einfach Spaß, gemeinsam an der Idee zu arbeiten, gewohnte Prozesse im Arbeitsalltag zu hinterfragen und besser zu machen.
Zweitens, das Produkt. Wir legen bei FastBill besonderen Wert darauf, dass der Nutzen für den Anwender schnell greifbar wird. Viele andere Tools stützen sich häufig nur darauf einen Teil-Nutzen zu erfüllen, wie z.B. nur umfangreiche Funktionen oder nur eine einfache Bedienoberfläche. Die Kunst liegt jedoch darin, die für den Anwender wichtigen Funktionen zu vereinen ohne unnötige Komplexität zu erzeugen. Denn eine Software muss nicht nur das Wesentliche an Funktionsumfang mitbringen, sondern vor allem einfach in der Bedienung sein und „sich gut anfühlen“. Bei Tools, wo das Gefühl vorhanden ist, werden wiederum essentielle Prozesse im Unternehmen, wie z.B. das Erfassen von Kosten, nicht berücksichtigt oder hören im Prozess der Abrechnung an einem bestimmten Punkt einfach auf, wie z.B. bei Rechnungsversand. Wir denken hier weiter und wollen, dass in diesem Beispiel die Rechnung auch einfach und schnell bezahlt werden kann.

Christian Häfner von FastBill
Christian Häfner von FastBill

RMS: Wie seid Ihr auf den Namen für Euer Startup gekommen? Gab es einen bestimmten Prozess oder eine Methode, die Ihr angewendet habt?

Christian Häfner: Der Name ist wohl aus einem Brainstorming – damals noch mit einer Agentur – entstanden. Dahinter steckt die Grundidee, Prozesse schneller zu machen und zu vereinfachen. Schnelle Rechnung, schnelles Geld eben. Im Umkehrschluss bedeutet das weniger Sorgen, mehr Freizeit. Ein wertvolles Gut in unserer heutigen Gesellschaft.

RMS: Wie habt Ihr die Finanzierung von FastBill gestemmt?

Christian Häfner: FastBill wurde von Anfang privat finanziert. Wir haben also kein institutionelles Kapital in Form von z.B. Venture Capital oder von Business Angels in Anspruch genommen. Mit Sicherheit hätten wir mit viel Geld auch deutlich größere Wellen schlagen können, allerdings hätten wir dann vermutlich auf die für uns so wichtige Flexibilität in der Gestaltung des Produktes ein Stück weit verzichten müssen. Dazu kommt, dass unser Zielmarkt ein bestimmtes Eigentempo mitbringt, in dem wir mit Geld nur bedingt schnelleres Wachstum hätten erzielen können.
Unterm Strich denke ich, dass externes Kapital nicht wirklich erstrebenswert für Startups ist. Es sollte aus meiner Sicht nicht das „Ziel“ eines jungen Unternehmens sein große VC Summen zu erhalten. Vielmehr sollte externes Kapital nur dann angenommen werden, wenn es unbedingt nötig ist, z.B. wenn die Nachfrage nach dem Produkt sehr hoch ist und der Wettbewerb droht schneller zu wachsen als man selbst). In unserem Fall war und ist das nicht so. Wettbewerber waren zwar von Anfang an vorhanden, jedoch hieß und heißt der eigentliche Gegner „Word“ oder „Excel“. Deshalb hätten wir 2007 das Geld vermutlich eher verbrannt als es sinnvoll für ein Wachstum nutzen zu können.

RMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Ihr bisher seit der Gründung und dem Aufbau von FastBill überwinden musstet?

Christian Häfner: Wer kein uneingeschränktes Kapital beim Aufbau eines Unternehmens zur Verfügung hat, der muss sich ganz genau überlegen wo die wenigen vorhandenen Ressourcen investiert werden. Deshalb konnten wir auch nicht alle von Beginn an in Vollzeit daran arbeiten, sondern mussten in unseren damaligen Jobs noch die „Brötchen“ verdienen. Richtige Stolpersteine gab es dabei aber eigentlich nicht, zumindest inhaltlich nicht. FastBill hat sich von Anfang konsequent weiterentwickelt um unsere Vision des freien, mobilen und papierlosen Arbeitens immer mehr zu ermöglichen. Auch die Gesetzeslage entwickelt sich in unsere Richtung. Die Änderungen für die digitale Signatur haben uns hier einen guten Schub nach vorne gegeben.Der Trend geht ganz klar in Richtung elektronische Abrechnung, auch beim Gesetzgeber.

RMS: Wie hat sich Euer Team gefunden?

Christian Häfner: Das war eigentlich wirklich Zufall. René, mit dem ich zusammen die Geschäftsführung bilde, und ich haben uns über ein gemeinsames Praktikum in New York während des Studiums kennen gelernt. Nach einem ersten Treffen wussten wir recht schnell, dass wir irgendwann mal was zusammen machen werden. Die Chemie hat gestimmt, wir beide hatten den Gründerspirit in uns und auch fachlich haben wir uns prima ergänzt. Es hat nicht lange gedauert bis René damals die Idee zu FastBill mit den anderen Gründern beschlossen hat und mit dem ersten Prototypen loslegte. Ich selbst war zwar von Anfang an involviert, bin aber wegen des Bootstrapping Ansatzes offiziell erst später dazu gestoßen.

RMS: Mit wie vielen Leuten arbeitet Ihr mittlerweile an FastBill?

Christian Häfner: Mittlerweile sind wir ein festes Team von 6 Leuten. Darüber hinaus haben wir ein gutes Netzwerk an freien Mitarbeitern, die wir je nach Bedarf dazu holen. Für unseren bevorstehenden Relaunch haben wir z.B. ein Team aus Österreich dazu geholt. Wichtig ist uns dabei nicht so sehr, dass alle bei uns in unserem Offenbacher Büro sitzen, sondern dass die Grundeinstellung passt und die Abstimmung funktioniert. Dennoch haben wir unser Büro in Offenbach, um uns regelmäßig hier zu treffen und als Team weiter zu wachsen.

RMS: Was macht Ihr, um den Bekanntheitsgrad von FastBill weiter auszubauen?

Christian Häfner: Wir setzen sowohl auf die klassischen Kanäle als auch ausgefallene PR und Community-Aufbau. Bei den klassischen Maßnahmen geht es v.a. um Suchmaschinenoptimierung, Suchmaschinenmarketing und unser Partnerprogramm. Der wichtigste Faktor ist hier allerdings immer noch Content! Wir beschäftigen uns ohnehin täglich mit Themen, die auch unsere Zielgruppe interessiert. Deshalb ist es nur naheliegend dieses Wissen auch weiterzugeben und für die Vermarktung z.B. in Blogs und Portalen zu nutzen. Der Aufwand ist zwar deutlich höher als nur Banner zu schalten, dafür aber auch viel nachhaltiger. Auch der Aufbau von Kooperationen mit Unternehmen und Plattformen mit derselben Zielgruppe hat sich für uns als ein guter Weg erwiesen. Trotz allem muss man ab und zu noch mal einen drauf setzen und jede Chance für (ausgefallene) PR nutzen. Letztes Jahr, im November 2011, haben wir z.B. unsere FastBill Startup Tour gestartet, bei der wir zwei Wochen lang quer durch die deutsche Gründerszene gefahren sind um Aufmerksamkeit zu erzeugen – mit Erfolg.

RMS: Wo möchtet Ihr in den nächsten 3-5 Jahren mit FastBill stehen?

Christian Häfner: In 5 Jahren möchten wir, dass die formelle Kommunikation im Büroalltag bei mindestens 50% aller kleinen Unternehmen in Deutschland völlig Papierlos mit FastBill abläuft. Wir wollen unsere Marktführerschaft in Deutschland also weiter ausbauen und international als eine solide Größe im Buchhaltungsmarkt für kleine Unternehmen etabliert sein.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ihr seid ja auch viel in anderen Gründerregionen des Landes unterwegs. Ist Rhein-Main eine gute Gegend für Startups?

Christian Häfner: Das Rhein-Main-Gebiet steckt sicherlich bei Events, Hype und Medienpräsenz noch weit hinter Berlin und Hamburg. Trotzdem ist am Ende nur entscheidend, was dabei herum kommt. Der Standort für ein Web-Startup ist heute nicht mehr so entscheidend. Hauptsache, der Nutzen wird erkannt und es erreicht die Menschen. Deshalb müssen sich Startups aus dem Rhein-Main-Gebiet keinesfalls verstecken. Im Gegenteil: Wer sich hier zeigt, wird vermutlich noch besser gesehen als in Berlin, wo es schon mehr als genug Geschichten und Vorzeige-Startups gibt. Was das Netzwerk angeht, so kommen doch nach und nach immer mehr schöne Events auch in die Rhein-Main Gegend. Das wird sicherlich noch mehr werden und bis dahin ist ja der Sprung zu den größeren Events und Konferenzen auch nicht so weit. 😉

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern abschließend mit auf den Weg geben möchtest?

Christian Häfner: Viel wichtiger als eine gute Idee ist ein gut funktionierendes Team und die bedingungslose Überzeugung vom eigenen Produkt .
Darüber hinaus empfehle ich jedem frühzeitig über seine Idee zu sprechen und Feedback von möglichst vielen Menschen (nicht nur Freunde und Familie) einzuholen und in einem MVP (minimum viable product) umzusetzen. Was das Pricing angeht, rate ich von kompletten Freemium- oder werbefinanzierten Modellen ab, denn erstens muss die Miete im Büro trotzdem bezahlt werden 😉 , und 2. ist der Nutzen und Mehrwert erst dann richtig für den Nutzer sichtbar, wenn er dafür bezahlt.

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