Es handelt sich hierbei um einen Gastbeitrag von Dennis Hain, der ursprünglich auf Semsation.de unter dem Titel „3. Lean Startup Circle Rhein Main ReCap“ erschienen ist.

Am 13.08.2012 fand in Wiesbaden das dritte Treffen des Lean Startup Circles Rhein Main statt. Wieder zog es Gründer und Anhänger des Lean-Startup-Gedankens in die hessische Hauptstadt in die Büroräume des IT-Dienstleisters //SEIBERT/MEDIA. Bei diesem Termin waren es nunmehr schon 40 Teilnehmer, die den angeregten Erfahrungsaustausch zum Thema der leichtgewichtige Vorgehensmodelle suchten.

Auf dem Programm standen diesmal die folgenden drei Vorträge:

„LeanStartup: Erfahrungen bei it-agile“

– Norbert Hölsken, it-agile

Kurz vor dem Start
Kurz vor dem Start

Als erster Referent eröffnete Norbert Hölsken von dem in Hamburg ansässigen agilen Software-Entwicklungsunternehmen it-agile und führte mit seiner Präsentation zunächst in das Themengebiet des Lean Startups ein. Da er unter anderem auf den Grundgedanken – möglichst viel in kurzer Zeit zu lernen  – einging, war es auch den Teilnehmern mit weniger oder keiner Erfahrung auf diesem Gebiet gut möglich dem folgenden Praxisbeispiel zu folgen.

Alle lauschen Norbert
Alle lauschen Norbert

Bei dem Experiment ging es darum, dass it-agile ein dediziertes agiles Team gebildet hat und die Mitglieder in einem separaten Büro mit Hilfe des Lean Vorgehens einen Monat lang ein Produkt hat realisieren lassen. Die Separation diente hierbei dazu, um die Mitglieder möglichst aus dem Tagesgeschäft heraus zu halten, so dass die Zahl an Unterbrechungen weitestgehend minimiert wurde. Dem Team war es so in dieser Zeit möglich nach nur drei Tagen live zu gehen und anschließend ca. 15 Releases pro Tag zu bewerkstelligen.

„Kundenbefragungen und deren Auswertung“

– Dr. Martin Hübner, IBDH –Ingenieurbüro Dr. Hübner

Martin Hübner erklärt Kano
Martin Hübner erklärt Kano

In dem zweiten Beitrag des Abends stellte Dr. Martin Hübner vom IBDH Ingenieurbüro sich sowie die Kano-Methode nach dem japanischen Professor Noriaki Kano zur Bewertung von Sinn- und Unsinnhaftigkeit von Features vor. Er schaffte einen lückenlosen Rundumschwung von der Definition der Merkmalsarten über Fragestellungen sowie Fragebogen bis hin zur Auswertung. Dabei profitierten die Teilnehmer von einem anschaulichen Praxisbeispiel zu einem Küchenmöbelstudio. Es gab einige interessante Diskussionen über die Möglichkeiten das Kano-Modell zu erweitern, bzw. anzupassen.

Es gibt Basis-Merkmale, welche grundlegend und selbstverständlich sind. Diese werden dem Kunden erst bei Nichterfüllung bewusst. Leistungs-Merkmale sind dem Kunden bereits bewusst und können Unzufriedenheit beseitigen oder Kundenzufriedenheit schaffen – dies ist abhängig von der Intensität der Erfüllung. Begeisterungs-Merkmale setzt der Kunde nicht voraus, sondern sie begeistern durch ihren Nutzen oder die klare Abgrenzung zu Mitbewerbern. Unerhebliche Merkmale sind – wie der Name bereits sagt – Belanglos für den Kunden, dabei spielt es keine Rolle ob sie vorhanden sind oder fehlen. Rückweisungs-Merkmale führen bei Vorhandensein beim Kunden zur Unzufriedenheit und ein Fehlen führt nicht zu Zufriedenheit.

Es werden pro Merkmal zwei Fragen formuliert – die eine Funktional (positiv formuliert) und die andere Dysfunktional (negativ formuliert). Durch eine Auswertung kann man somit die Merkmale anhand der Merkmalstypen priorisieren und sich dadurch auf die wichtigen konzentrieren.

„Tipps von einem SEO“

– Dennis Hain, fusepro Online Marketing

Dennis Hain über Tipps eines SEO
Dennis Hain über Tipps eines SEO

Den dritten Beitrag bei diesem Treffen des Lean Startup Circle durfte ich selbst beisteuern. Nach der obligatorischen Essensbestellung beim Italiener und der damit verbundenen Pause war die eigentliche Aufgabe das sogenannte Suppenkoma der Gruppe zu überwinden. Unter dem nichtssagenden Titel „Tipps von einem SEO“ konnte man vielleicht erwarten, dass ich über wüste Web-Techniken, teure Tools oder geheime Strategien der Großkonzerne sprechen würde – aber was die Teilnehmer erwartete war etwas ganz anderes.

Grundlegendes Konzept des Beitrags war es, in möglichst kurzer Zeit direkt verwertbare Vorgehensweisen (zum Beispiel Potentialanalysen) vorzustellen. Dazu gab es zuerst einen kurzen Überflug über die Kanäle des Online-Marketings (SEA, SEO, Affiliate und Newsletter) sowie deren jeweilige Vorteile, Dinge welche berücksichtigt werden müssen und deren vorwiegende Einsatzgebiete. Banneradvertising ließ ich an dieser Stelle unberücksichtigt um den Fokus auf die für die Veranstaltung verwertbaren Gebiete zu setzen. Ehrlich gesagt verwunderte es mich, dass mich niemand darauf angesprochen hat wieso ich SMO und das ganze Thema Social ausgeklammert hatte und komplett unerwähnt ließ. Um auf die Bedürfnisse der sehr heterogenen Gruppe eingehen zu können war der Vortrag schlank gehalten und anstatt eines Frontalunterrichts war es mein Bestreben eine Art Workshop-Umgebung zu etablieren. Gerade deswegen war ein absolut ungeplanter Exkurs zur Funktionsweise und Kosten beim Affiliate-Marketing genauso wie die zahlreichen interessierten Zwischenfragen sehr willkommen.

Die aus den Zwischenfragen resultierenden Gespräche gingen noch bis zum Ende der Veranstaltung und ich hoffe, dass dies nicht die ursprünglich angedachte Planung des Abends umwarf. Für den Fall, dass Paul noch etwas anderes eingeplant hatte, möchte ich mich an dieser Stelle bei ihm entschuldigen, dass ich trotz der schmalen Präsentation so viel Zeit gebunden hatte.

Fantastische Aussicht von der Dachterrasse
Fantastische Aussicht von der Dachterrasse

Der Abend war für mich sehr angenehm, da viele für mich neue Gesichter gekommen waren und wir in der Pause Zeit hatten über die unterschiedlichen Entwicklungen zu sprechen. Auch an diesem Termin konnte ich wieder einiges über Lean Startup lernen, was bereits in die nächsten Projekte mit einfließen wird. Ich kann an dieser Stelle diese kostenfreie und sehr informative Veranstaltungsreihe gerade Gründern nur wärmstens ans Herz legen und bedanke mich bei Paul Herwarth von Bittenfeld für die Organisation und bei //SEIBERT/MEDIA für das wunderbare Ambiente. Wer auch noch an den Eindrücken zum letzten Treffen interessiert ist, findet hier den ReCap zum 2. Lean Startup Circle Rhein-Main.

Angenehme Umgebung
Angenehme Umgebung

Anzumerken ist auch noch, dass die Veranstaltung bereits bei diesem dritten Zusammentreffen ein Einzugsgebiet mit dem Radius von 600 km vorweisen kann. Nikolay Tzonev hat die weite Anreise auf sich genommen um sich die Vorträge anzuhören und sich über die neusten Informationen auf dem Gebiet der Lean Startup Vorgehensweise auszutauschen. Die Fotos für diesen Beitrag wurden freundlicher Weise von Tobias Cieplik zur Verfügung gestellt.

Das nächste Treffen des Lean StartUp Circle Rhein Main findet am 29.10.2012 statt. Nähere Infos dazu werden auf der Projektseite des Lean StartUp Circle rechtzeitig bekannt gegeben.

Für die nächsten Treffen des Lean Startup Circles, die in einem 2-monatlichen Rhythmus stattfinden, werden noch gerne Themenvorschläge von den Veranstaltern angenommen. Wer etwas produktives beizusteuern hat kann sich gerne dort einfach melden.

Bis zum nächsten Mal!

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