Philipp EpsteinFrüh übt sich. Neben seinem Abitur hat unser heutiger Interview-Partner Philipp Eppstein eine Plattform aufgebaut, mit der er der Kommunikation zwischen Bürgern und ihrer Stadt eine neue Dimension verleihen möchte. Bürger können auf dem Portal über Missstände informieren, sich darüber austauschen und in den Austausch mit den zuständigen Stellen ihrer Stadt treten.

RMS: Bitte stelle Dich uns kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Philipp Epstein: Ich heiße Philipp Epstein, bin 19 Jahre alt und fange ab Oktober ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik bei SAP an.
Ich habe dieses Jahr in Bad Homburg mein Abitur gemacht und mich in dieser Zeit auch sehr intensiv um das Projekt Bürgersein gekümmert.
Hoffentlich werde ich diese Möglichkeit auch während meines dualen Studiums haben.

RMS: Wie kamst Du auf die Idee, Bürgersein zu starten?

Philipp Epstein: Ich war vor zwei Jahren Schulsprecher und habe gemerkt, dass wenn man Input immer nur mündlich und „nebenher“ bekommt, man nie die perfekte Lösung für die genannten Probleme finden wird. Daraufhin habe ich mir Gedanken gemacht, wie man dieses Problem lösen könnte. Es sollte ein transparentes System geben, das allen ermöglicht auf die Wünsche und Anregungen der Anderen einzugehen.
Leider ist die Amtszeit in der Schule zu gering um solche großen Projekte umzusetzen. Da ich kommunalpolitisch aktiv war, habe ich mir gedacht, dass es in den Städten doch auch so sein müsste. Die Bürgerinnen und Bürger brauchen ein neues Modell, welches die Kontaktaufnahme zu ihren Städten neu definiert.
Ein transparentes Kommunikationssystem bei dem man ein Anliegen von seiner Meldung bis zur Lösung verfolgen kann. Außerdem bietet eine solche Plattform einer größeren Breite an Personen die Möglichkeit an der Gestaltung der Stadt aktiv mitzuwirken.

RMS: Wie stemmst Du die Finanzierung von Bürgersein?

Philipp Epstein: Bürgersein ist komplett eigenfinanziert. Ich habe mir am Anfang einen Programmierer gesucht, der mit mir zusammenarbeitet.
Bisher habe ich noch keine externen Geldquellen gefunden. Natürlich ist es nicht leicht, aber so bin ich unabhängiger. Irgendwann wird aber sicherlich der Punkt kommen, an dem ein anderer Weg eingeschlagen werden muss.

RMS: Was waren die größten Stolpersteine, die Du bisher bei der Gründung und dem Aufbau bisher überwinden musstest?

Philipp Epstein: Die größten Stolpersteine legen einem tatsächlich die Städte in den Weg. In Bad Homburg war es wirklich vorbildlich. Die Stadt fand das Konzept super, wir haben sofort den Zugang zu den zuständigen Ansprechpartnern bekommen und das Projekt wurde gut angenommen. Leider sind nicht alle Städte so. Ich merke, dass viele Städte einen transparenten Dialog mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern auf diesem Wege gar nicht wollen. Viele Emails an die Städte bleiben unbeantwortet und das finde ich schade, denn jede Stadt kann sich damit profilieren zu sagen: Wir gehen einen neuen Weg und nutzen das Internet vollständig!

Argumente wie „Die Bürger können ja anrufen“ oder „Wir haben ein Kontaktformular auf unserer Internetseite“ sind für mich nicht schlüssig. Wer so denkt, bleibt stehen und genau das dürfen Städte meiner Meinung nach nicht, vor allem nicht im Umgang mit Ihren Bürgerinnen und Bürgern.

Das größte Problem allerdings besteht darin, dass es keine gesetzliche Grundlage gibt, anhand welcher festgelegt wäre, wie und nach welcher Zeit eine Stadt auf Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zu reagieren hat. Das heißt, wenn ich eine Email an meine Stadt sende, dann heißt es nicht, dass ich auch eine Antwort bekomme. Wenn die Stadt nicht will, dann antwortet sie auch nicht. Das kann meiner Meinung nach eigentlich nicht sein. In vielen Ländern ist die Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Behörden (Städten, Ämtern usw.) gesetzlich geregelt. Das fehlt in Deutschland!

RMS: Wie möchtest Du die Städte und Gemeinden auf Bürgersein aufmerksam machen?

Philipp Epstein: Wie eben schon erwähnt ist das der schwierigste Teil des ganzen Projekts, denn obwohl die Teilnahme am Projekt für die Städte kostenlos ist, möchten viele sich nicht die Arbeit machen und eine neue Art der Kommunikation einschlagen.
Ich versuche momentan durch Berichte der bereits angebunden Städte, andere Städte und Gemeinden zu überzeugen. Das ist eine sehr anstrengende Arbeit. Bis man die Ansprechpartner in einer Stadt findet, die sich für solche Projekte zuständig fühlen, kann nach meiner Erfahrung sehr viel Zeit vergehen.
Die Städte müssen verstehen, dass das Projekt eine Entlastung bringt und keine Belastung. Die Telefonanrufe nehmen ab. Die Anliegen kommen per Internet, die Mitarbeiter im Rathaus können sich die Zeit bei der Beantwortung der Anliegen selber einteilen.

RMS: Wie siehst Du den Gründungsstandort Rhein-Main? Ist die Region eine gute Gegend für den Aufbau eines Startups?

Philipp Epstein: Bisher habe ich viele tolle Erfahrungen sammeln dürfen. Sei es beim Webmontag oder bei anderen Gründertreffen. Ich habe keine Erfahrungen mit Gründerszenen in anderen Gebieten in Deutschland, kann aber sagen, dass der Standort Frankfurt eigentlich alles bietet, was man möchte.

RMS: Gibt es irgendeinen Tipp, den Du anderen Gründern mit auf den Weg geben möchtest?

Philipp Epstein: Nicht aufgeben 😉
Auch wenn es beim ersten und zweiten Anlauf nicht klappt, dann wird es halt der Dritte oder Vierte. Das ist das, was man immer im Kopf haben muss.
Wer nicht für seine Ziele kämpft, hat auf jeden Fall verloren!

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