Twittwoch Rhein-MainGestern Abend fand der 3. Twittwoch Rhein-Main bei der Verlagsgruppe Rhein-Main in Mainz statt. Das Thema des Abends war pas­sen­der­wei­se „Nutzung und Einsatz von Social Media bei Medien“.

Nach der Eröffnung des Abends durch die Initiatoren Nico Kirch und Stephan Fink wurde zunächst dem Gastgeber die Möglichkeit gegeben, ein paar Worte zu verlieren, was Stefan Schröder übernahm. Er selbst kommt aus dem Print-Bereich der Verlagsgruppe Rhein-Main und betonte auch stark, dass weiterhin Papier das ist, womit die Verlage ihr Geld verdienen. Gerade erst wurde ein großes Druckzentrum in Rüsselsheim in Betrieb genommen. Bei Nutzungsdauern von Druckmaschinen von etwa 20 Jahren untermauerte Schröder damit die Überzeugung der Verlagsgruppe, das Print noch sehr lange eine große Bedeutung haben wird.

Einen Einstiegsvortrag lieferte daraufhin Michael Umlandt, der beim ZDF den Twitter-Kanal @ZDFonline betreut. Er kam auf eine ganz besondere Weise an diesen Job. Eine Geschichte, die auch bereits ein Stück Social Media-Geschichte ist. Gemeinsam mit Marco Bereth hatte er nämlich 2009 einfach angefangen, unter @ZDFonline zu twittern, ohne hierfür vom ZDF beauftragt oder auch nur ermächtigt worden zu sein. In vielen Fällen hätte dies sicherlich zu einer juristischen Auseinandersetzung geführt. Aber Marco und Michael machten ihren „Job“ offensichtlich so gut, dass sie vom ZDF nach Mainz eingeladen wurden und dann auch offiziell mit der Betreuung des Twitter-Accounts beauftragt wurden. Michael gab noch einige Einblicke in die Nutzung von Sozialen Medien beim ZDF.

Podiumsdiskussion Twittwoch Rhein-MainAnschließend folgte eine Podiumsdiskussion mit Lutz Eberhard (Chefredakteur Online, Verlagsgruppe Rhein-Main), Hans-Dieter Hillmoth (Geschäftsführer, Radio / Tele FFH GmbH) sowie Michael Umlandt (Hauptredaktion Neue Medien, Zweites Deutsches Fernsehen), die von Stephan Fink moderiert wurde.
Sehr schön an dieser Gesprächsrunde war, dass mit Print, Radio und TV Vertreter verschiedener Medien eingebunden waren und ihre jeweilige Perspektive darlegen konnten. Von allen Bereichen als positiv beurteilt wurde die neue Möglichkeit der Rückkopplung und Interaktion mit der Zielgruppe, die vorher so nicht gegeben war. Hans-Dieter Hillmoth von FFH verwies darauf, dass in der Historie der Radiostationen Postkarten und Telefon eingesetzt wurden, aber nie ein Grad der Interaktion von Hörern untereinander erreichbar war, wie heute. Lutz Eberhard verwies auf die Chance der Redakteure, Informationen über die Netzwerke zu beziehen und im Rahmen der Recherche zu nutzen.
Noch schwer fiel es allen Beteiligten, nennenswerte Umsätze direkt auf die Social Media-Kanäle zurückzuführen. Für Rückfragen sorgte die Aussage, „es lässt sich kein Geld damit verdienen“. Denn während der gesamten Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass sich zahlreiche positive Effekte aus der aktiven Social Media-Nutzung ergeben und einiges an Umsatz auf „indirektem Wege“ damit erzielt wird.
So konnte bei der Verlagsgruppe Rhein-Main die Zahl der Besucher, die jeden Monat über Facebook auf eigenen Seiten gelangen, von 3.000 auf 100.000 gesteigert werden. Es wurden Zahlen von 5-10% der Website-Besucher genannt, die mittlerweile über die Sozialen Medien kommen. Social Media als Traffic-Bringer ist der nach „mobile“ am stärksten wachsende Bereich der Verlagsgruppe.
Darüber hinaus wurde auch von Michael Umlandt der positive Effekt auf das Image des ZDF betont.
Aufgrund der geringen Umsätze, die sich direkt auf die Aktivitäten zurückführen lassen, tut sich unter anderem die Verlagsgruppe noch schwer damit, Personal exklusiv für die Betreuung der Social Media-Kanäle abzustellen. Das ZDF kann froh sein, dass es zwei top-motivierte Personen hat, die rund um die Uhr Bereitschaft machen. Daher ist auch das Thema Erfolgsmessung noch nicht intensiver beleuchtet worden. Als Antwort auf die Frage, welches Kriterium dafür angelegt würde, kam wie von klassischen Medien zu erwarten die Antwort „Reichweite“.
Hier ist sicherlich noch einiges an Professionalisierung und Erfahrungsaufbau in der Zukunft erforderlich, um die Potenziale von Social Media vollständig auszuschöpfen.
Beim Blick in die Zukunft verwiesen alle drei Teilnehmer der Diskussionsrunde darauf, dass die Entwicklung mittlerweile so dynamisch ist, dass sie sich keine echte Prognose zutrauen. Denkbar wäre, dass die Verlagshäuser und Radio- sowie TV-Sender zukünftig noch stärker zusammenwachsen, da mittlerweile kaum noch ein Anbieter nur auf einen Kanal setzt. Printhäuser machen auch Online-Videos oder Podcasts. Radio-Sender haben Online-Präsenzen mit umfangreichen Texten und ebenfalls Online-Videos.
Wie die Zukunft genau ausschaut, ist zwar nicht klar, es besteht aber die Zuversicht und Überzeugung, dass sich Qualität auch langfristig auch weiterhin durchsetzen wird.

Insgesamt war auch der 3. Twittwoch wieder ein gelungener Abend in einem sehr ansprechenden Umfeld mit der Möglichkeit zu guten Gesprächen im Vorfeld und Nachgang des Vortrags und der Podiumsdiskussion. Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren und Sponsoren!

Der 4. Twittwoch Rhein-Main ist bereits für den 1. Februar 2012 in Frankfurt mit dem Thema „mobile“ geplant. Wer gestern Abend dabei war und die positive Entwicklung des Twittwochs weiter unterstützen möchte, sollte sein Feedback zum 3. Twittwoch Rhein-Main abgeben.

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